KARREE49 – Urbane Landwirtschaft & Quartiersbelebung auf dem Sonnenberg

Seit 2015 betreibt und entwickelt ein engagiertes Team rund um Angelika Scheuerl auf dem Chemnitzer Sonnenberg vielfältige Angebote unter einem Dach: Den sozialpädagogischen Betreuungsdienst Delphin, die Delphin-Projekte gGmbH und damit verbunden unter anderem urbane Landwirtschaft zum Anfassen und Mitmachen. Nicht zum ersten Mal konnte ich heute gemeinsam mit der Sprecherin des Chemnitzer Kreisverbands von BÜNDNIS90/GRÜNE Karola Köpferl erleben, was sich in der Peterstraße 26 alles tut.

Was vor 7 Jahren noch Visionen und Finanzierungskonzepte waren, kann man inzwischen live erleben: Eine mehrstöckige Aquaponikanlage im modernen Anbau im Innenhof, die die bisher existierenden Ansätze städtischer Landwirtschaft mit Gemeinschaftsgarten, Bienenhaltung und Hühner- & Ziegenstall um eine bedeutende Komponente erweitert. Dabei wird die Fischzucht (bisher v.a. Störe und Karpfen) im Keller mit dem Anbau von Pflanzen in den darüberliegenden Geschossen kombiniert. Bisher ist nur ein Teil der Anlage in Betrieb, da beispielsweise die Stabilität des Nährstoffkreislaufs (Ausscheidungen der Fische als Pflanzendünger, gefiltertes Wasser zurück in die Fischbecken) noch erprobt werden muss.

Doch das Projekt ist deutlich mehr als der Versuch, Lebensmittel auf neuartige Weise in der Stadt zu erzeugen. Durch die Vielfalt der Angebote trägt das KARREE49 zur Belebung und Entwicklung des ganzen Stadtteils bei. Mehrere Schulen auf dem Sonnenberg haben Kooperationen gestartet, im Rahmen derer Schüler:innen nicht nur Landwirtschaft, sondern unter anderem auch Projektplanung, Sensorik (Überwachung der technischen Anlage), Vermarktung und regionale Lebensmittel (geplanter Hofladen), Inklusion und Energiewende erkunden und selbst ausprobieren können. Damit werden Grüne Berufe für Heranwachsende greif- und erlebbar. Dieser Projektansatz wurde auch über die Mehrwert-Initiative »Nachhaltig aus der Krise« des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft gefördert. Zudem können sie beispielsweise im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres weiterverfolgt werden. Außerdem plant das Team derzeit eine regelrechte Begrünungs-„Explosion“ für das ganze Viertel – über bepflanzte Baulücken und begrünte Fassaden soll idealerweise bis zum Kulturhauptstadtsjahr 2025 ein vorbildhaft grünvernetztes Quartier entstehen.

Der Besuch im KARREE49 hinterlässt bei mir wieder einmal einen tiefen und positiven Eindruck, sowohl aufgrund des Mutes und der Ausdauer des Aquaponik-Teams als auch der Begeisterung über den Ansatz, Sozialpädagogik mit Stadtentwicklung und wirtschaftlicher Aktivität zu verbinden und so auch barrierefreie Bildungserfahrungen ermöglicht. Ich wünsche dem Projekt weiterhin gutes Gelingen und wachsende Anerkennung!

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