Fischzucht und Gemüseanbau auf dem Sonnenberg – Innovationstour in Chemnitz am 3.7.2015

Fischzucht und Gemüsebau mitten in der Stadt? Das geht: Und zwar sehr gut! Im Fachjargon heißt das ‚Aquaponik‘. Das Prinzip der Versuchsanlage: Das im Rahmen der Karpfenzucht anfallende, mit Ausscheidungen versetzte Wasser versorgt in einem benachbarten Gewächshaus, Gurken-, Paprika-, Tomaten- und Erdbeerpflanzen mit Nährstoffen. Hat das Wasser die zum Teil in Plastikrohren eingesetzten Pflanzen passiert, fließt es als Quasi-Frischwasser wieder zurück in den Fischbottich – und der Kreislauf beginnt von vorn. Damit werden bis zu 80 Prozent an Wasser gegenüber herkömmlicher Fischzucht und Landwirtschaft gespart.
In einem Teil eines Gebäudes an der Peterstraße soll dafür ein gläserner Aquaponik-Turm entstehen, in dem Fischkultur mit vertikalem und Etagenanbau kombiniert wird. Für den Direktverkauf der Erzeugnisse ist ein Bioladen geplant. Der Rest des Gebäudes soll zum Teil wohnwirtschaftlich genutzt werden, es soll eine Suppenküche, Co-Working-Spaces u.v.m. entstehen. Volkmar Zschocke findet: „Es ist sehr innovativ in einer Stadt, die einen Überfluss an Fläche zu bieten hat, in die Höhe zu denken“ und fragt nach der Botschaft, die dahinter steht.
Dass das Projekt im Brennpunkt-Stadtteil Sonnenberg realisiert wird, ist kein Zufall. Initiatorin und Leiterin des Sozialen Betreuungsteams DELFIN Angelika Scheuerl will damit einen Beitrag zur Stadtentwicklung und zur sozialen Arbeit auf dem Sonnenberg leisten. „Für Menschen, die nirgens rein passen ist das Projekt wesentlich aktivierender, als irgendwelche abgeschotteten Werkstätten oder Berufsbildungsmaßnahmen“, so Angelika Scheuerl. Die Herausforderungen, vor denen der in besonderem Maße von Leerstand betroffene Stadtteil steht, sieht sie dabei als Chance zum Experimentieren.

 Video zum Aquaponic-Projekt auf dem Sonnenberg

Tour-Tagebuch der GRÜNEN Innovationstour

 

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