Programm OB-Wahl: Für ein neues Miteinander in der Stadt

Die Zahl älterer und hochbetagter Bürgerinnen und Bürger steigt an. Immer mehr Chemnitzerinnen und Chemnitzer haben keinen Familienanschluss mehr und leben allein. Was vielen Städten überall in Deutschland noch bevorsteht, ist in unserer Stadt bereits Realität. Ich sehe in dieser Entwicklung auch eine große Chance, neue Modelle für die Bewältigung des demographischen Wandels zu entwickeln. Wie leben Ältere künftig in unserer Stadtgesellschaft? Noch nie stand eine Gesellschaft vor dieser Frage so wie wir heute. Wir haben gemeinsam die Chance, sozialräumliche Lösungen für ein neues Miteinander der Generationen in den Stadtteilen und Wohnquartieren zu finden.

Ich möchte in einer Stadt leben, die für alle Generationen attraktiv ist und hohe Lebensqualität bietet. Dazu gehört bezahlbarer und den Bedürfnissen jeder Altersgruppe gerecht werdender Wohnraum. Eine barrierefreie Architektur ist das eine, um möglichst bis zum Lebensende im vertrauten Stadtquartier wohnen zu bleiben. Eine Offenheit aller Institutionen für die besonderen Bedürfnisse im Alter und ein dichtes Unterstützungsnetzwerk sind das andere.

Mit Erfahrung und bürgerschaftlichem Engagement bringen sich viele Seniorinnen und Senioren in die Entwicklung unserer Stadt ein. Chemnitz braucht die Fähigkeiten und Kenntnisse der älteren Generation. Ich möchte deshalb gute Bedingungen für die Begegnung, gegenseitige Unterstützung und das Zusammenleben älterer Menschen und junger Familien ermöglichen.

Das Auto nicht mehr nutzen zu können, bedeutet für viele Seniorinnen und Senioren einen erheblichen Einschnitt in ihrem Leben. Ich habe deren Mobilitätseinschränkungen im Blick. Chemnitz muss geraden wegen ihnen eine Stadt der kurzen, barrierefreien Wege werden. Es
gibt einiges zu tun, um wohnortnahe Infrastruktur sowie behindertengerechten öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen. Das heißt für mich auch, dass eine dichte und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in allen Stadtteilen, auch in denen mit ländlicher Prägung,
vorhanden bleibt.

Vor dem Hintergrund der Privatisierungstendenzen bei der Wasser- und Abwasserversorgung werde ich mich dafür stark machen, dass diese in Chemnitz immer als kommunale Dienstleistung für Alle gesichert bleibt. Ich werde mich weiterhin nach meinen Möglichkeiten dafür
einsetzen, dass für Alle das energetische Existenzminimum gewährleistet ist. Niemand soll in Chemnitz im Winter frieren müssen oder von der Stromversorgung abgeklemmt werden. Energiesparberatung für Einkommensschwache muss in Chemnitz Bestandteil des
sozialen Angebotes sein.

Auf Grund großer Brüche in den Erwerbsbiografien nach 1990 droht eine Zunahme von Altersarmut in der Stadt. Wir GRÜNEN wollen auf Bundesebene eine steuerfinanzierte Garantierente einführen. Auf kommunaler Ebene gibt es aber auch einige Möglichkeiten und Instrumente,
um der Zunahme von Altersarmut entgegenzuwirken und gute Lebens-, Bildungs- und Berufsperspektiven in zu Chemnitz fördern. Die Stadt und ihre Tochterunternehmen als Arbeitgeber und Auftraggeber stehen in der Pflicht, prekäre Beschäftigungsverhältnisse weder zu unterstützen, noch zuzulassen, um auch Altersarmut vorzubeugen. Ich will, dass die Kommune die Initiative und Steuerung für Maßnahmen zur Vermeidung von Altersarmut übernimmt. Das wirtschaftliche, kulturelle, soziale und gesundheitliche Engagement gemeinnütziger sowie öffentlicher Träger muss gefördert und koordiniert werden. Benachteiligte Quartiere sind durch gezielte berufliche und soziale Integration aufzuwerten. Außerdem will ich mich für ausreichend preisgünstigen, energieeffizienten Wohnraum einsetzen.

Behindertenhilfe hat in Chemnitz lange Tradition. Landeseinrichtungen befinden sich hier. Es gibt viele Förderangebote. Doch es reicht längst nicht mehr aus, Behindertenpolitik auf Förderung und Eingliederung zu begrenzen. Alle Strukturen in der Stadt, die Menschen mit Behinderungen einschränken und die sie von Teilhabe ausschließen, müssen systematisch abgebaut werden. Ich stelle mir einen „Maßnahmenplan Inklusion“ vor, der systematisch auflistet, was mit welcher Priorität und in den nächsten Jahren konkret angegangen werden muss. Hier schließe ich Kitas und Schulen ausdrücklich ein. Ich will eine Verbesserung der Inklusion im Freizeit- und Sportbereich erreichen. Die Kontakte mit der Wirtschaft will ich dafür nutzen, die Inklusion im regulären Arbeitsmarkt voranzutreiben.