Zukunftskommission Landwirtschaft – Bündnisgrüne: Empfehlungen bieten Chance für eine echte Trendwende

Dresden. In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft im Sächsischen Landtag wurde der Antrag „Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft ‚ZukunftLandwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft'“ (Drs 7/7949) der Koalitionsfraktionen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD öffentlich angehört.  

Volkmar Zschocke, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt zum Antrag:   „Der Wandel in der Landwirtschaft hin zu mehr Klima-, Umwelt- und Tierschutz ist dringend notwendig. Dies ist keine Aufgabe der Landwirtschaftsbetriebe allein, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Denn ökologisches Handeln muss auch ökonomischen Erfolg sichern und finanziell unterstützt werden. Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) liefert hierfür zahlreiche Empfehlungen, die wir für den Freistaat nutzen wollen. Die Überwindung des Lagerdenkens durch die Zusammenarbeit aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen in der Kommission bietet eine echte Chance für eine Trendwende hin zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.“  

Im Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft sind unter anderem die folgenden Empfehlungen enthalten:

  • Klima- und Umweltschutz: Speicherung von Treibhausgasen in Mooren und Humus, stabile Agrar-Ökosysteme, regionale Wirtschafts- und betriebliche Nährstoffkreisläufe
  • Tierwohl: Reduzierung des Konsums tierischer Produkte, Verbesserung des Tierwohls, umweltverträglichere räumliche Verteilung der Tierhaltung, weitere Verringerung der Tierbestandszahlen
  • Transparenz: Erhöhung durch Kennzeichnungen und Zertifikate
  • Vermarktung: Förderung unterschiedlicher betrieblicher Geschäftsmodelle sowie von regionalen und Direktvermarktungswegen
  • Preise: faire Ausgestaltung von Abnahmebeziehungen der Landwirtschaft mit nachgelagerten Bereichen sowie dem Handel
  • Agrarförderung: zielgerichtete staatliche Finanzierung der gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft, Umbau der flächengebundenen Direktzahlungen der Ersten Säule der GAP

Auf Einladung der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion sprach in der Anhörung auch Prof. Dr. agr. Knut Schmidtke, Direktor für Forschung, Extension und Innovation am FiBL Schweiz. Schmidtke unterstrich das Ziel weg von der Monokultur hin zu vielartiger Nutzung auf der gesamten Fläche, um Produktion und Biodiversität zu vereinen: „Wir müssen Grundwasserschutz, Klimaschutz, Förderung der Biodiversität und Lebensmittelsicherheit gleichzeitig sehen und ausbalancieren. Wir müssen versuchen, es klug zu kombinieren.“ Außerdem betonte er die Erforderlichkeit von mehr Klimaresillienz in der Landwirtschaft und führte die Erhöhung von Landschaftsstrukturen wie Agroforst oder klug integrierte Systeme wie Agrophotovoltaik ins Feld. Darüber hinaus warb er für einen neuen Konsens in der Gesellschaft zu Art und Umfang der Tierhaltung und eine Änderung des Ernährungsverhaltens mit weniger Fleischkonsum, beispielsweise über Innovationen neuer, gutschmeckender Produkte: „Ich setze da auch auf den Gaumen, um Änderungen zu befördern.“ Wichtig sei zudem ein Dialog zwischen Stadt und Land für mehr Verständnis der Landwirtschaft.  

Volkmar Zschocke betont nach der Anhörung abschließend:   „Die tiefgreifenden Veränderungen in der Landwirtschaft brauchen eine zielgerichtete Begleitung durch die Landespolitik. Alle Koalitionsparteien müssen hier am gleichen Strang ziehen. Wenn sich alle zur Notwendigkeit der Reform bekennen, werden auch die berufsständischen Verbände das nicht bremsen.“  

Weitere Informationen:

>> Positionspapier der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion: „Keine Rolle rückwärts in der Agrarpolitik“ (5. April 2022)

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