Besuch der SED-Opferbeauftragten im Kaßberg-Gefängnis

Gestern haben wir vom Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Frau Evelyn Zupke auf der Baustelle der künftigen Gedenkstätte begrüßen können. Sie hat sich über die Geschichte des Haftorts, das Projekt und den aktuellen Baustand informiert. Evelyn Zupke zeigte sich von unserem gemeinsamen Vorhaben überzeugt: „Mich beeindruckt, was hier durch ehrenamtliches Engagement, die Stadt Chemnitz, den Freistaat gemeinsam geschaffen wurde. Der Häftlingsfreikauf ist ein wichtiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. Der Lernort Kaßberg-Gefängnis ist ein Ort, der weit über Chemnitz hinausstahlt. Ein Ort von nationaler Bedeutung.“ schrieb sie im Anschluss auf twitter.

Geführt wurde sie unter anderem von unserem Vorstandsmitglied und Zeitzeugen Falk Mrazek. Seine Botschaft an die jüngere Generation war, „dass Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung nicht einfach so da sind, sondern erkämpft werden müssen.“ Die Biografie von Falk Mrazek triggert mich besonders. Denn sie zeigt, wie schnell junge unangepasste Menschen im SED-Regime in das Räderwerk von Benachteiligung, Überwachung, Repression und Inhaftierung gerieten. Die seelischen Verletzungen wirken bei den Opfern oft ein Leben lang nach.

Vielen Dank an das Team vom SACHSEN FERNSEHEN Chemnitz, dass ein bewegendes Interview mit Falk Mrazek in voller Länge bereitgestellt hat. Den Schülerinnen und Schülern vom gegenüber der Gedenkstätte liegenden Karl-Schmidt-Rottluff Gymnasiums konnte ich heute von Falk Mrazek erzählen, als sie den Sächsischen Landtag besuchten. Während der Diskussion mit der Besuchsgruppe wurde deutlich, wie hochaktuell die Themen des Lern- und Gedenkortes sind. Denn es geht eben nicht allein ums Erinnern, sondern vor allem darum, Demokratie und rechtstaatliche Verhältnisse gegen alle aktuellen Angriffe durch Populismus, Demokratieverachtung oder völkisch-autoritäre Tendenzen zu verteidigen.

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