Sächsische Schweiz: Verzicht auf den Nationalparkstatus würde zu mehrfachen Nachteilen für die Region führen

Nachdem das Brandgeschehen in der Sächsischen Schweiz unter Kontrolle gebracht war, dauerte es nicht lang, bis die Debatte um die Zukunft des Nationalparks und den Umgang mit den Schäden im Waldgebiet aufflammte. Vom eigentlichen Brand betroffen waren mit 150 Hektar knapp zwei Prozent der Parkfläche. Diese Gebiete liegen vollständig im Ruhebereich des Nationalparks und zudem zum Großteil in der sog. Kernzone. Gemäß internationaler Regelungen für Nationalparke gilt damit, dass die Entwicklung nach Sturm- oder Brandschäden der Natur überlassen wird. Dementsprechend darf der Freistaat Sachsen auf dem Gebiet des Nationalparks keine aktive Aufforstung betreiben oder anderweitig in die natürliche Erneuerung eingreifen. Dies ist auch nicht erforderlich, wie die zeitiger gelöschten Waldbereiche auf böhmischer Seite zeigen, in denen bereits jetzt das Nachwachsen eingesetzt hat.

Die Debatte, den derzeitigen Nationalparkflächen ihren Schutzstatus zu nehmen und sie zu Naturparks mit mehr Möglichkeiten des menschlichem Eingreifens herabzustufen, weil der Nationalpark „für die Entwicklung von Fauna und Flora kein Gewinn“ sei, führt aus mehreren Gründen zu Nachteilen für die Region.

Zum Ersten sind unberührte Rückzugsorte für Pflanzen und Tiere ein enormer Mehrwert, der sich in Sachsen immer seltener entwickeln kann: Der Nationalpark Sächsische Schweiz – der einzige Nationalpark Sachsens – ist mit 0,5% der Landesfläche eines der größten, zusammenhängenden Areale, in dem die Natur sich selbst überlassen ist. Nach vielen Jahrzehnten kann an solchen Gebieten abgelesen werden, wie sich die Natur ohne menschlichen Eingriff an die sich verändernden klimatischen Bedingungen anpasst. Da heute niemand mit Sicherheit sagen kann, welche Baumarten und Waldökosysteme am Besten mit den Veränderungen zurecht kommen, sind die Erkenntnisse aus der ungestörten Waldentwicklung für künftige Generationen ein großer Gewinn.

Zum Zweiten bietet die natürliche Waldentwicklung langfristig den besten Schutz vor Waldschäden aller Art, auch wenn die aktuellen Schadbilder durch Schädlinge und Brand den menschlichen Wunsch nach Ordnung hervorrufen. Auch die Diskussion rund um Totholz als angebliche Brandursache führt nicht in die richtige Richtung: Tatsächlich ist es menschliches Verhalten, was in den ausgetrockneten Wäldern Feuer ausgelöst hat. Dies ist auch der Punkt, an dem Waldbrandprävention in erster Linie ansetzen muss, nämlich bei Informations- und Bildungskampagnen für ein bewussteres Walderleben und Verhalten im Wald durch alle Besucher:innen. Außerdem sollte die Ausstattung von Bergwacht und (freiwilligen) Feuerwehren stärker unterstützt werden.

Drittens würde durch einen Wegfall des Nationalpark-Status sprichwörtlich die Axt an die Wurzel dessen angelegt, was die Natur in der Sächsischen Schweiz so attraktiv macht und nicht zuletzt auch Jahr für Jahr Tourist:innen in die Region lockt. 

Jenseits des Nationalparks, der Wildnis- und der Naturwaldentwicklung sind die Forderungen nach Wiederaufforstung mit mehr heimischen Laubbäumen statt Fichten-Monokulturen natürlich richtig und willkommen. In vielen sächsischen Wäldern besteht ein großer Bedarf für einen Umbau hin zu mehr Naturnähe und Klimaresilienz, ohne die der Wald seine für uns so existenziellen Funktionen – vom Wasserspeicher und Hochwasserschutz über die Bindung von Kohlendioxid und die Filterung der Luft bis hin zum Schutz der Artenvielfalt – in Zukunft immer schlechter absichern kann. Auf Waldbrandfolgeflächen oder in massiv von Borkenkäfern zerstörten Fichtenbeständen werden Wiederaufforstung und aktiver Waldumbau, bspw. mit der Förderrichtlinie Wald und Forst, bereits aktiv durch die sächsische Landespolitik unterstützt.

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