Regionale Landwirtschaft und Umweltschutz im Landkreis Görlitz

Meine Sommertour führt mich zu Menschen, Betrieben und Initiativen, die mit Erfolg Landwirtschaft und Naturschutz verbinden und die Region mit Engagement und eigenen Ideen bereichern. Im Landkreis Görlitz habe ich mir zusammen mit Annett Jagiela einige beeindruckende Beispiele solcher Erfolge angeschaut. Dabei ging es auch darum, wie die Konflikte zwischen Landwirtschaft und Artenschutz gelöst werden können.

Erste Station ist die Naturstation „Östliche Oberlausitz“. Hier treibt Annett Herweck viele Projekte mit unglaublicher Energie und Leidenschaft voran: Sie fördert die Naturschutzarbeit und die Umweltbildung in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Sie ist mit ihrem Team im praktischen Artenschutz aktiv, beispielsweise beim Erhalt der Storchenpopulation oder der Umsiedlung von Ameisen. Besonders freut mich, mit welchem Engagement die begeisterten Umweltpädagogen die Naturwunder der Region vermitteln, in Ferienlagern für Kinder oder verschiedenen Veranstaltungen auch für Jugendliche und Erwachsene. Wir tauschen uns auch über Konflikte mit dem unter Naturschutz stehenden Wolf. Die kleinen Moorschnucken-Lämmchen können sich gegen ihn nicht wehren. Ich mache mir unmittelbar vor Ort ein Bild von den Möglichkeiten und Grenzen der Herdenschutzmaßnahmen.

Als nächstes besuchen wir die Kreba Fisch GmbH in Sproitz. Sie produziert 400 Tonnen Karpfen pro Jahr. In verschiedenen Teichen der Gegend wachsen sie drei Jahre lang auf, bevor sie über Hofläden, Märkte oder den Großhandel an die Verbraucher*innen verkauft werden. Spannend war das Gespräch mit dem Geschäftsführer Herr Mühle und dem Geschäftsführer des Sächsischen Landesfischereiverbands Andreas Stummer. Auch hier sprechen wir über Zielkonflikte zwischen Unternehmertum und Naturschutz. Viele der Teiche liegen in Naturschutzgebieten. Ohne die Bewirtschaftung hat diese wertvolle Teichlandschaft keine Zukunft. Aber auch die Schäden durch den Biber an den Teichanlagen sind hoch. Es ist nicht einfach und mit zusätzlichem Aufwand verbunden, ein Nebeneinander von Teichwirtschaft und dieser geschützten Art zu ermöglichen. Auch der Klimawandel setzt den Fischzüchtern zu. Denn immer häufiger fehlt in der Region Wasser. Mir ist wichtig, dass die Bewältigung der Krise als gemeinsame Aufgabe angegangen wird und nicht auf die Betriebe allein abgewälzt wird.

Dann sind wir noch bei Daniel und Judith Kupper in Görlitz zu Gast. Sie haben Land von der Stadt gekauft, halten darauf Bienen und Schafe, stellen Marmelade und Destillate her und haben einen Permakulturgarten. Hier finden auch Menschen aus einer Behindertenwerkstadt eine sinnstiftende Arbeit. All dies tut die Familie nicht nur im Nebenerwerb, sondern hat es sich selbst auch noch autodidaktisch erarbeitet. Eine tolle Leistung – und schön, auf dem Spaziergang ihre wunderschön naturnah angelegten Flächen zu entdecken.

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