Ohne Waldumbau wird’s teuer – Veranstaltungsbericht aus Freiberg

Wälder produzieren unsere Atemluft. Sie speichern Wasser und Kohlendioxid, sind Lebensraum unzähliger Arten, bieten wertvolle nachwachsende Rohstoffe und ermöglichen uns Erholung und Entspannung. Aber verursacht durch Stürme, Hitze, Trockenheit und Insekten wie den Borkenkäfer findet in den sächsischen Wäldern aktuell eine stille Katastrophe statt, die zentrale und unbezahlbare Waldfunktionen gefährdet. Nur noch 24 Prozent der Bäume in sächsischen Wäldern weisen keine erkennbaren Schäden auf. Diese Situation geht auch am Freiberger Stadtwald nicht vorüber. 

Um Wege aus der Waldkrise aufzuzeigen, bin ich am Freitag nach Freiberg gereist und habe mich zusammen mit Johannes Brink (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, Stadtrat Freiberg), Carola Zscheile (Parents for Future Freiberg, Freiberg Pflanzt), Andreas Streich (Leiter der Abteilung, Grünanlagenunterhaltung/Forst der Stadt Chemnitz) und interessierten Menschen aus Freiberg und Umgebung über ihre Erfahrungen und die Herausforderungen beim Waldumbau unterhalten. Nach einem kurzen Input kamen wir schnell in die Diskussion. 

Erfahrungen mit der FSC-Zertifizierung im Stadtwald Chemnitz

Herr Streich berichtete von seinen Erfahrungen mit der FSC-Zertifizierung, denn in Chemnitz gibt es sie seit 2003: das Label setze hohe Standards für eine naturnahe Waldbewirtschaftung, sei aber auch mit personellem Aufwand verbunden. Der Zertifizierungskatalog sei umfassend und müsse beständig gepflegt und der Zustand des Stadtwalds dokumentiert werden. Zur Re-Zertifizierung aller 5 Jahre, die mit einer umfassenden Prüfung einhergehe, kommen jährliche Audits hinzu, ob Kriterien wie beispielsweise max. 20% nichtheimische Baumarten, keine Kahlschläge oder die vorgeschriebene Größe der Waldentwicklungsflächen noch erfüllt sind. Die Preise für das FSC-zertifizierte Holz rechtfertigen gleichzeitig den Mehraufwand, da es für Holzabnehmer Vermarktungsvorteile bei der Wahl von FSC-Holz gibt. 

Perspektiven aus der engagierten Bürgerschaft

Carola Zscheile stellte „Freiberg Pflanzt“ vor, eine bürgerschaftliche Initiative die sich aus verschiedenen Naturschutzgruppen zusammensetzt und sich dem Ziel einer baldigen Erreichung von Klimaneutralität und Wiederbewaldung des Freiberger Stadtwaldes verschrieben hat. Es gab bereits gemeinsame Pflanzaktionen von Jungbäumen, Baumpflegemaßnahmen und Bildungsangebote durch Ehrenamtliche der Initiative.

Frau Zscheile betonte, dass sie sich mehr Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung mit den Forstbetrieben in ihrer Heimatstadt wünsche und es Kommunikation bedarf, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Ein Beispiel dafür sei der Einsatz von schwerem Gerät im Wald. Die großen Harvester würden von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Gefahr für den Wald wahrgenommen. Die Forstbetriebe sollten mit den Menschen vor Ort das Gespräch suchen und für Verständnis der Bevölkerung werben, dass der Borkenkäferbefall Baumholaktionen notwendig mache, da sonst schnell weitere gesunde Bäume geschädigt  würden. Auch Herr Streich betonte die Wichtigkeit von Dialog und Öffentlichkeitsarbeit. Der Wald habe für die Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Erholungsfunktion und sei nicht allein Wirtschaftswald.

Der Freiberger Wald als Wald der Bürgerschaft?

Aktuell lässt die Stadt Freiberg ihre knapp 1.000 Hektar Wald vom Staatsbetrieb Sachsenforst bewirtschaften. Durch die Schäden sind auch im Freiberger Kommunalwald die Weichen auf Waldumbau gestellt. Der Wald der Zukunft wird anders aussehen als heute. Er wird artenreicher und strukturreicher sein müssen, altersklassengemischt und voraussichtlich mit mehr Laubbaumarten. Mit wieder funktionierenden Waldökosystemen und renaturierten Moor- und Feuchtgebieten kann dieser Wald viel klimastabiler sein als heute.

Johannes Brink betonte, dass auf kommunaler Ebene dafür das Personal derzeit fehle. Aktuell sei die Stelle des Baubürgermeisters ausgeschrieben. Diese enthalte große Hebel, um in diesem Bereich Dinge zum Positiven zu verändern und den Waldumbau gemeinsam mit der Bürgerschaft zu gestalten.

Am Ende wurde klar: Der Freiberger Wald hat ein großes Potenzial für eine bürgernahe Gestaltung, weil die Flächen der Stadt gehören. So haben wir weniger über die Fragen der Zertifizierung diskutiert, sondern mehr über die Idee der eigenen Bewirtschaftung des Freiberger Stadtwaldes im Sinne eines echten Ratswaldes unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger.

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