Namen nennen, ihre Geschichte erzählen, Spuren nicht verwischen

Mit Straßennamen in unserer Umgebung verbinden wir natürlich das aktuelle Leben: Dauerbaustelle Walter-Klippel-Straße in Adelsberg. Neue Solaranlagen auf Dächern an der Alfons-Pech-Straße im Flemminggebiet. Und auf die Häuser der Willy-Reinl-Straße in Altendorf kann ich vom Balkon schauen. Aber kennen wir auch die Geschichte hinter den Namen?

Heute vor 77 Jahren wurden die antifaschistischen Widerstandskämpfer Walter Klippel, Alfons Pech, und Willy Reinl von der Gestapo ermordet – gemeinsam mit Albert Hähnel, Kurt Krusche, Max Brand und Albert Junghans. Im Chemnitzer Stadtgedächtnis sind sie die sieben „Hutholz-Opfer“. Sie waren im Zuge der intensivierten Verfolgung politischer Gegner nach dem missglückten Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 in Untersuchungshaft auf dem Kaßberg genommen worden. In der Bombennacht vom 5. auf den 6. März 1945 gelang den Männern die Flucht aus dem durch eine Luftmine beschädigten Gefängnis. Eine großangelegte Suchaktion von Gestapo und SS führte jedoch zu ihrer Ergreifung. Kurz vor Kriegsende wurden die Sieben am 27. März 1945 in einem Waldstück am Stadtrand von Chemnitz von Gestapo-Leuten ermordet.

Im Hutholz erinnert seit 1956 ein Denkmal an den Mord (heute Markersdorfer Straße/Ecke Wolgograder Allee). Und auch am Kaßberggedenkort haben wir die Geschichte der Sieben Männer ausführlich dokumentiert.

Heute haben wir gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern vom VVN-BdA und dem Lern- und Gedenkort-Kaßberg an die sieben Ermordeten erinnert. Zuvor hatte bereits eine Gedenkveranstaltung der VVN-BdA am Denkmal am Chemnitzer Hutholz stattgefunden. Es ist sehr wichtig die Namen zu nennen, die Geschichten zu erzählen und die Spuren nicht zu verwischen. Gerade mit Blick auf die Gegenwart ist dieses Gedenken in Verbindung mit dem Lernen für die Zukunft unverzichtbar. Auch dafür baut der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg e.V. aktuell die Gedenkstätte im Kaßbergbergfängnis aus.

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