Programm OB-Wahl: Jugendarbeit, Jugendkultur und Jugendpolitik

Entscheidungen, die heute angesichts der gewaltigen gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozesse gefällt werden, betreffen zuvorderst die zukünftigen Lebensgrundlagen von Kindern und Jugendlichen. Sie werden am längsten mit den Auswirkungen des Klimawandels, mit den Veränderungen durch Digitalisierung und den Herausforderungen des demografischen Wandels leben müssen. Deshalb haben junge Menschen einen Anspruch auf Mitsprachemöglichkeiten. Jugendbeteiligung ist mir ein Herzensanliegen.

Die Initiierung einer eigenständigen Jugendpolitik, getragen von der Beteiligung junger Menschen in allen Entscheidungen ihrer Belange ist ein Ur-GRÜNES Ansinnen. In Chemnitz muss anknüpfend an die Erfahrungen der letzten Jahre, wie der Arbeit der Kinderbeauftragten, dies weiter geführt werden. Als Oberbürgermeister möchte ich von jungen Menschen beraten werden, wie sich ihre Stadt entwickeln soll und an ihren Ideen partizipieren. Die Begleitung von Jugendkultur und das Ermöglichen von Veranstaltungen gehört für mich in eine lebendige Stadt. Die Erhöhung der Lebensqualität für Kinder und Jugendliche soll Prämisse bei allen städtischen Planungen werden.

Jugendbeteiligung:

2019 wurde ein Konzept zur Jugendbeteiligung erstellt. Ich will die Umsetzung aktiv unterstützen und sehe weitere Maßnahmen und Möglichkeiten, Jugendliche in sie betreffende Prozesse einzubinden.

Jugendbeteiligung passiert nicht, nur weil die Stadt sich dazu bekennt und sie ausruft. Jugendbeteiligung braucht Koordination und eine jugendgerechte Aufbereitung und Kommunikation von Inhalten, die die Stadtpolitik betreffen. Dafür möchte ich das im Konzept vorgeschlagene Jugendbüro mitsamt Fachstelle einrichten. Diese Ressource ist Voraussetzung für die Umsetzung des Gesamtkonzeptes.

Zusätzlich möchte ich eine Kinder- und Jugendsprechstunde des Oberbürgermeisters einführen, wo die Ideen und Visionen der jungen Generation auf oberster Ebene an die Verwaltungsspitze herangetragen werden können. Das bewährte Konzept der Einwohner*innenversammlungen möchte ich um jugendaffine Formate ergänzen. Wichtig ist zudem eine Intensivierung der social media-Arbeit der Stadt auf Kanälen, die Jugendliche erreichen.

Das Verständnis für demokratische Prozesse und Beteiligung erlangen Menschen am besten, durch praktische, gelebte Partizipation. Deshalb möchte ich selbstverwaltete Jugendarbeit in der Stadt stärker etablieren. Dort können Jugendliche über die eigenen Belange mitbestimmen und ihr Umfeld mitgestalten, erleben aber auch die anstrengenden Seiten einer demokratischen Zusammenarbeit.

Haushaltsmittel für Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit:

Das Budget für die Jugend(sozial)arbeit der Stadt Chemnitz ist seit mehreren Jahren weit überzeichnet. Angezeigte Bedarfe können trotz jugendhilfeplanerischer Notwendigkeit oftmals nicht gedeckt und gefördert werden. Durch Corona hat sich die Haushaltssituation weiter verschärft.

In Phasen einer angespannten Haushaltssituation gilt es zunächst, den Bestand an Einrichtungen zu sichern. Um auch neuen Projekten, die neuen Bedarfslagen Rechnung tragen, eine Chance zu geben, muss die Prioritätensetzung in der Jugendhilfeplanung regelmäßig evaluiert und fortgeschrieben werden. Um im Interesse der Kinder und Jugendlichen, der Träger wie auch der städtischen Haushaltslage gerecht zu werden, braucht es einen kontinuierlichen, ehrlichen Austausch auf Augenhöhe über die Fragen der zukünftigen Jugendhilfelandschaft in der Stadt.

Wenn Einsparungen erforderlich sind, muss darüber ehrlich und in einem konstruktiven Prozess gesprochen werden. Wo Möglichkeiten bestehen und Sinn machen, Synergien mit anderen bestehenden Einrichtungen zu erreichen, sollten diese genutzt werden. Es gibt bereits Projekte in der Stadt, wo generationsübergreifend gemeinsam Räume genutzt werden (z.B. VIP Junior / VIP Senior) oder Jugendarbeit in städtischen Einrichtungen stattfindet (Botanischer Garten).

Freiräume in der Stadt:

Junge Menschen wollen und brauchen Freiräume im öffentlichen Raum, wo sie sich treffen können. Sie sind Teil der Stadtgesellschaft und haben einen Anspruch auf Raum zur Entfaltung. Dabei kann es laut zu gehen. Menschen werden nicht als angepasste Erwachsene geboren. Gerade in der Jugendphase werden Grenzen ausgetestet, auch überschritten. Wichtig sind Akzeptanz und niedrigschwellige Ansprachen durch Streetwork. Bewusstsein für gegenseitige Rücksichtnahme und gemeinsame Regeln entwickelt sich nicht, wenn junge Menschen mittels repressiver Mittel immer weiter in die hintersten und dunkelsten Ecken der Stadt verdrängt werden.

Um junge Menschen vor Kriminalität und Drogen zu schützen, sind präventive Maßnahmen zunächst wirkungsvoller als Strafen und Verbote. Für Schülerinnen, die sich im bestehenden Schulwesen nicht zurechtfinden sowie für Schulabbrecherinnen müssen alternative Beschulungsangebote weiterentwickelt werden. Ebenso muss die Sleep-in-Stelle als Schutzort für junge Menschen als zielgruppengerechtes Angebot ergänzend zum Kinder- und Jugendnotdienst zügig kommen.

Chemnitz hat ein vielseitiges buntes Angebot an Jugendclubs und -einrichtungen. Dazu zählt das Alternative Jugendzentrum ebenso wie die kirchliche Jugendverbandsarbeit. Diese Vielfalt der Träger und Angebote gilt es zu schützen, so dass für alle jungen Menschen in der Stadt und verschiedene Interessensgruppen Freizeitangebote vorhanden sind. Insbesondere Angebote für jüngere Kinder wie der Bauspielplatz und der Freizeitclub LP2 (Luisenplatz 2) müssen stärker in den Fokus rücken, um Kindern frühzeitig die Möglichkeiten der sozialpädagogisch begleiteten Freizeitaktivitäten zu eröffnen.

Der Konkordiapark ist das Jugend-Stadtzentrum von Chemnitz, wo Raum für Kreativität und Bewegung sowie zum Unter-sich-sein und auch Laut-sein bestehen. Ich freue mich über die positive Weiterentwicklung des Standortes und fühle mich dem Erhalt der Qualität der Anlage verpflichtet. Entsprechende Freiräume braucht es langfristig auch in anderen Stadtteilen. Die Bedarfe Jugendlicher müssen stärker in die Spielplatzkonzeption einfließen.

Fachkräfte in der Kinder- und Jugendarbeit:

Der Fachkräftemangel macht auch vor dem sozialpädagogischen Bereich (Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen) nicht Halt. Ich möchte, dass wir den Fachkräftebedarf in der Stadt kontinuierlich analysieren, neue Fachkräfte gewinnen, Soziale Arbeit verlässlich finanzieren und die Arbeitsbedingungen verbessern. Soziale Arbeit ist für die Zukunft der Stadt unverzichtbar und muss ein attraktives Arbeitsfeld bleiben.

Ich unterstütze den bereits von der Stadt Chemnitz eingeschlagenen Weg der Ausbildungspartnerschaften im Bereich der Erzieherinnen-Ausbildung und beim Sozialpädagoginnen-Studium an der BA Breitenbrunn. Die anfänglichen Startschwierigkeiten in Form von Zurückhaltung seitens der Träger bei der Inanspruchnahme von Plätzen muss Thema eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Trägern und Verwaltung sein. Dabei soll es um den Abbau von Hürden und Vorbehalten gehen, so dass in Zukunft nicht nur alle zur Verfügung stehenden Plätze besetzt, sondern diese Programme auch noch weiterentwickelt und ausgebaut werden können.

Die Stadt muss ihrer Verantwortung nachkommen, Trägern, die Aufgaben im Auftrag der Stadt übernehmen, eine tarifgerechte Bezahlung ihrer Mitarbeiter*innen zu ermöglichen und die Fördermittel entsprechend dynamisieren.

Dem Erzieherinnenmangel in Kitas kann die Stadt begegnen, indem sie die Assistenzkräfteregelungen des Freistaates nutz und Rahmenbedingungen für multiprofessionelle Teams schafft. So können Logopädinnen und Ergotherapeutinnen wie auch Theaterpädagoginnen, Heilpraktikerinnen, Sozialassistentinnen u.a. Kita-Teams bereichern.

Zentral für die Frage der Fachkräftesicherung ist die Attraktivität der Stadt insgesamt. Die Stadt Chemnitz kann noch selbstbewusster mit ihren Vorzügen werben: ein gutes Angebot an bezahlbarem Wohnraum, ausreichend Kitaplätze, ein vielfältiges Angebot an Sport-, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten und viele Grünflächen. Die wichtigsten Botschafterinnen, um ein positives Bild von Chemnitz in die Welt zu tragen, sind die Chemnitzerinnen selbst. Ich werbe bei jeder Gelegenheit für unsere Stadt.