Mathias Wild (†2004) auf dem Kaßberg zurück

Morgen ist der 20. Todestag von dem lieben Freund, Wegbegleiter, langjährigen Stadtrat und wichtigen Chemnitzer Mathias Wild. Aus diesem Grund haben Freunde von Mathias sich zusammengetan und seinen Grabstein vom Friedhof in Kändler auf den Friedhof der St. Matthäusgemeinde bringen lassen. Dort erinnert er an ihn und sein Wirken.

Viele kennen Mathias als sehr nahbaren, engagierten aber auch streitbaren Pfarrer. Von 1981 bis 2004 war er Pfarrer der St. Pauli-Kreuz Kirche auf dem Kaßberg. Er stand auf unserer Seite, als es darum ging, Treffpunkte für Punkgruppen und andere in der DDR unangepasste Menschen zu finden. Er gehörte zu den Pfarrern, die die Kirche in der friedlichen Revolution für die Bürgerbewegung öffneten. Im November 1989 hat er den Runden Tisch Kultur und die Bürgerinitiative Kunst und Kultur mitbegründet. Als Stadtrat und Vorsitzender unserer Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen engagierte er sich für das Kulturangebot in unserer Stadt, beispielsweise bei der Suche eines neuen Domizils für die Stadtbibliothek, beim Überlebenskampf des VOXXX oder bei der Profilierung der städtischen Kunstsammlungen. Mit den von ihm initiierten „Tagen der jüdischen Kultur“ hat er ein bis heute sicht- und hörbares und sehr lebendiges Erbe in unserer Stadt hinterlassen. 13 Jahre begleitete er dieses wichtige Festival. Er hat 1990 auch das Evangelische Forum mitbegründet und bis 2004 geleitet.

Gottesdienst, Christvesper, Gesprächskreise, öffentliche Museumspredigten in den Kunstsammlungen und unzählige Veranstaltungen – Mathias war ein Pfarrer, der viele Menschen erreicht hat. Auch sein Engagement als Stadtrat war viel beachtet und wirkungsvoll – auch wenn er unbequeme Wahrheiten aussprach.

Meine Erinnerungen an die Jahre mit Mathias sind bis heute kaum verblasst. Zu intensiv war die gemeinsame Zeit, die vielen Gespräche, die gemeinsamen Reisen, die Bewältigung von persönlichen und politischen Krisen. Ich höre sein Lachen immer noch. Auch sein Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung während seiner letztendlich tödlichen Erkrankung ist mir noch gegenwärtig. Er musste einen schweren Weg gehen – und hat sich dennoch bis zum Schluß für Chemnitz engagiert.

Den Stein hat übrigens der Chemnitzer Bildhauer Armin Forbrig, der leider auch nicht mehr da ist, angefertigt. Ich sehe Armin noch vor mir, wie er diesen schweren Stein 2004 mit seinen bloßen Händen ohne Hilfsmittel in Kändler behutsam auf das Grab setzte. Armin war ein starker und großartiger Bildhauer. So kann man sich bei einem Besuch auf dem Mathäusfriedhof gern auch an beide erinnern. Der Stein liegt am Hauptweg hinter der Trauerhalle.

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