Kulturhauptstadt: Es geht nicht nur um Projekte und deren Finanzierung.

Heute sind wir auf dem Weg zur Kulturhauptstadt einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Kulturstaatsministerin Dr. Monika Grütters, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Sven Schulze unterschrieben im alten Straßenbahndepot an der Zwickauer Straße die Finanzierungsvereinbarung für die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025. Frau Grütters fand anerkennende Worte für eine Stadt, der viele einen solchen Schritt ins – auch europäische – Rampenlicht gar nicht zugetraut hatten. Ich freue mich sehr. Es tut dem gewachsenen städtischen Selbstbewusstsein gut, diese Aufmerksamkeit – und nun auch die millionenstarke Unterstützung zu bekommen.

Michael Kretschmer appellierte in seinem Grußwort eindringlich an uns Chemnitzerinnen und Chemnitzer, so weiterzumachen. Er meinte dies hinsichtlich der Energie, Dynamik und Kreativität der vielen Menschen, die den Kulturhauptstadtprozess so weit gebracht haben.

Trotzdem klang dieses positive „Machen Sie weiter so!“ mit einem Misston in meinem Ohr nach: So weiter machen wie im Stadtrat? Wo es am Mittwoch die demokratischen Fraktionen nicht geschafft haben, eine Bürgermeisterin zu wählen, geschweigen denn sie mit einem klaren Votum auszustatten, den Prozess bis zum Kulturhauptstadtjahr jetzt couragiert voranzutreiben? Wo relevante Interventionsflächen wie z.B. am Kulturquartier in der Gefahr stehen, zerredet zu werden? Wo zentrale Projekte aus der Bewerbung wie die „Stadtwirtschaft“ keinen breiten Rückhalt im Rat haben?

Es ist unübersehbar, dass durch den Stadtrat ein tiefer Graben geht. Es macht auch keinen Sinn, dies kaschieren zu wollen, nur weil Chemnitz jetzt im Rampenlicht steht. Aber wir müssen es thematisieren, wir müssen die Auseinandersetzung führen, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen und einen gemeinsamen Weg finden. Es geht eben nicht nur um Projekte und deren Finanzierung. Das harte Ringen um gemeinsame demokratische Kultur, um eine gemeinsame Basis für zwar kontroversen, aber konstruktiven und respektvollen Streit nimmt uns niemand ab.

Mehrfach wurde in den Grußworten heute betont, dass Kultur hilft, Gräben zu überwinden. Ich glaube und hoffe, dass auch im Stadtrat diese konstruktive Energie letztendlich überwiegen wird.

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