Irmela Mensah-Schramm in Schwarzenberg

Irmela Mensah-Schramm besuchte uns gestern in unserem GRÜNEN Bürgerbüro in Schwarzenberg und blieb bis zur abendlichen Gedenkveranstaltung an den Novemberpogrom 1938. Irmela kam wie immer mit ihrem legendären Beutel angereist, ausgestattet mit Schaber, Nagellackentferner und Spraydosen zum Übersprühen von Hassbotschaften. In dem nachfolgenden Auszug aus Irmelas gestriger Rede könnt ihr erfahren, warum sie stets ihren Beutel dabei hat und was das Entfernen von Hassbotschaften mit ihrem Verständnis von Gedenken und Grenzziehung zu tun hat.

„1986: Ich stehe in Berlin-Wannsee an der Bushaltestelle auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle und traute meinen Augen nicht: da klebte ein Sticker mit der Aufforderung zur Freilassung des Hitler-Stellvertreters und Kriegsverbrechers Rudolf Hess, der im Kriegsverbrechergefängnis Spandau inhaftiert war und ein Jahr später seinem Leben selbst ein Ende bereitete. Er bereute bis zu seinem Lebensende nichts!

Ich war wie gelähmt vor Schreck und unfähig, sofort zu handeln. Zehn Stunden später, bei meiner Rückkehr holte ich es nach, ich kratzte den Sticker mit meinem Schlüssel restlos ab. Dies sehr wohl mit der Erkenntnis: Mit Nichtstun geht das nicht weg! – Kann also auch nichts erreicht werden!

Danach fielen mir all die anderen Schand-Sticker und Hassbotschaften auf und ich suchte Reinigungsuntensilien zusammen. Damit machte ich mich daran, alle zu entfernen.

Und die Menschen um mich herum?

Äußerungen eines Polizisten: „Die Demokratie muss dies verkraften können.“

oder von Mitmenschen: „Da schaut man einfach besser weg.“

oder „Ach, du kannst doch allein die Welt nicht verändern!“Stimmt das? – Ich sage nein! Jeder kann seinen Betrag leisten zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen! Ich leiste ihn nun seit über 35 Jahren – es ist mir ein Bedürfnis!

Inzwischen ist meine Dokumentation auf fast 40 000 Fotos und Nazi-Sticker angewachsen. Eine Dokumentation des Hasses gegen Mitmenschen, die anders aussehen, anders leben oder anderen Glaubens sind. – Ich vernichte den Hass, da er das friedliche Zusammenleben vernichtet. Ganz nach dem Motto: „Meinungsfreiheit hat Grenzen! Sie endet, wenn Hass und Menschenverachtung beginnen.““

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