Hochwasserrückhaltebecken Jahnsdorf reicht nicht aus – Hochwasserschutz breiter denken

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel hin zu Hochwasserschutz auf der gesamten Fläche. Vor allem muss der ungebremst hohe Flächenverbrauch in der Region und in den Hochwasserentstehungsgebieten südlich von Chemnitz gestoppt werden.“

Chemnitz. Das lange geplante Hochwasserrückhaltebecken in Jahnsdorf soll nach Vorstellung der Landestalsperrenverwaltung komplett entfallen. Das Becken würde nach neuen Erkenntnissen nicht ausreichend vor einem Jahrhunderthochwasser schützen und sei daher unwirtschaftlich. In den Antworten auf zwei Landtagsanfragen von Volkmar Zschocke, Abgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begründet das Sächsische Umweltministerium diese Entscheidung.

Die Begründungen sind für Volkmar Zschocke nicht plausibel: „Es muß den betroffenen Flußanliegern wie Hohn vorkommen, wenn gar kein Schutz mehr geplant wird, nur weil der geplante Schutz einen bestimmten statistischen Wert nicht erreicht. Das Gegenteil ist nötig: Wenn das Rückhaltebecken allein nicht ausreichend schützt, sind weitere Maßnahmen nötig.“

Zschocke schlägt eine Reihe von Handlungsansätzen vor: „Der Klimawandel zwingt uns zu nachhaltigen Konzeptionen. Vor allem muss der ungebremst hohe Flächenverbrauch in der Region und in den Hochwasserentstehungsgebieten südlich von Chemnitz gestoppt werden. Durch zunehmende und großräumige Verdichtung der Böden leidet aber auch die natürliche Wasserspeicherfähigkeit der Landwirtschaftsflächen. Hier helfen andere Bearbeitungsverfahren, aber auch Hecken oder Gehölzinseln. Notwendig ist, den natürlichen Zustand von Quellgebieten wiederherzustellen und Entwässerungsgräben in Wald, Feld und Wiesen wieder zu schließen. Die Landwirte und Waldbesitzer benötigen dabei Unterstützung.“

Auch das Argument der Unwirtschaftlichkeit hält Zschocke für problematisch: „Hier werden die wirtschaftlichen Lasten einfach nur verschoben. Ohne jeglichen Schutz entsteht der Schaden dann in voller Wucht bei den Flußanliegern – und das sogar häufiger als bei einem Jahrhunderthochwasser. Ziel muß doch sein, zumindest vor den Wassermassen zu schützen, vor denen geschützt werden kann.“

Das Umweltministerium teilt in den Antworten zudem mit, dass nach den neuen statistischen Werten weitere Standorte von Hochwasserrückhaltebecken in Sachsen die wasserwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen nicht erfüllen. Das ist Zschocke zu unkonkret: „Ich will wissen, welche Standorte das sind und ob diese auch einfach gestrichen werden sollen oder ob hier mit unterschiedlichem Maß gemessen wird.“ Zschocke hat dazu eine Nachfrage beim Umweltministerium eingereicht.

Antwort des Sächsischen Umweltministeriums auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Volkmar Zschocke (GRÜNE) Planung, Bau und Wirksamkeit von Hochwasserrückhaltebecken in Sachsen (Drs. 6/5601)

Antwort des Sächsischen Umweltministeriums auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Volkmar Zschocke (GRÜNE) Vorplanungsstudie zum Hochwasserrückhaltebecken Jahnsdorf (Drs. 6/5601)

Nachfrage zu den Antworten Drs. 6/5601 und Drs. 6/5602

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