Gute Löhne für soziale Arbeit – das allein reicht nicht

Rede zur Aktuellen Debatte: „Gute Löhne für soziale Arbeit – das muss drin sein“ (Fraktion DIE LINKE) zur 16. Sitzung des Sächsischen Landtags (TOP 1) am 8. Juli 2015:

 

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Es gilt das gesprochene Wort –

 

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist gut, dass nach 25 Jahren Sozialer Arbeit in Sachsen wir hier im Landtag eine Debatte über Verantwortung und Wert von Sozialer Arbeit führen. Eine Diskussion allein über gute Löhne würde aber zu kurz greifen, das ist in der Debatte auch schon deutlich geworden.

Als Sozialarbeiter habe ich nach der Wende die Hilfestrukturen in Chemnitz mit aufgebaut. Ich weiß, wie es ist, sich von Sparhaushalt zu Sparhaushalt, von Projektfinanzierung zu Projektfinanzierung zu hangeln. Ich kenne die Tendenz zur Selbstausbeutung, „weil es ja nicht anders geht.“ – wie man von Sozialarbeitern, Pflegern oder Betreuern oft hört. Und das ist nach 25 Jahren in Sachsen nicht wirklich anders geworden, meine Damen und Herren!

Der Wert und der Mehrwert von Tätigkeiten im Sozial- und Pflegebereich ist nach wie vor nicht richtig anerkannt. Ich habe viel mit Menschen aus der Jugendstraffälligenhilfe, Wohnungslosenhilfe und Suchtkrankenhilfe zusammengearbeitet. Viele, die mit Menschen in Not arbeiten, nehmen schlechte Arbeitsbedingungen einfach in Kauf.

Zum Beispiel hohe körperliche und psychische Belastungen: Ich habe die schlimmen Folgen gesehen, die durch Alkoholmissbrauch entstehen. Zunehmend auch Crystel. Die Folgen sind besonders dramatisch für die Kinder in den betroffenen Familien. Bei Vernachlässigungen und Kindeswohlgefährdungen werden handlungsfähige Fachkräfte gebraucht, die nicht mit dem Rücken an der Wand stehen, sondern Rückhalt von den Trägern oder vom Jugendamt haben.

Zum Beispiel prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung mit Risiken bei der Altersabsicherung: Denn so ist eine stabile Projektarbeit z.B. bei Schulsozialarbeit nicht möglich. Da läuft die eine Förderung aus, die neue funktioniert noch nicht, Lücken entstehen. Die Beschäftigten müssen sich vorübergehend arbeitslos melden, denn kleine Träger können Einnahmeausfälle nicht monatelang überbrücken. Solche Stellen sind nicht attraktiv – so können keine Fachkräfte entwickelt werden.

Zum Beispiel nicht gleichförmige Finanzierung: So werden mit präventiven Maßnahmen wie dem Täter-Opfer-Ausgleich enorme Kosten im Justizhaushalt eingespart. Allerdings werden solche Maßnahmen nicht gleichförmig in den sächsischen Landkreisen angeboten. Teilweise gibt es solche Angebote gar nicht mehr. Der Einstieg in eine kriminelle Karriere verursacht gigantische Kosten – daher ist es fatal hier nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung zu stellen. Gute Soziale Arbeit erspart enorme gesellschaftliche Folgeschäden.

Zum Beispiel enorme Lohnunterschiede: Freie Träger können eben oft nicht auskömmlich, tarifgebunden zahlen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten dann freiwillig auf Bezahlung, professionelle Tätigkeiten werden dann quasi unentgeltlich erledigt.

Zum Beispiel Personalmangel: Sachsenweit fehlt jede fünfte Pflegefachkraft! Die Folgen sind Unterbesetzungen, Überstunden, Überlastung. Viele Beschäftigte halten nicht bis zur Rente durch. Viele weichen in Teilzeit aus. Diegleiche Entwicklung gibt es bei der sozialen Betreuung von Flüchtlingen. Da ist eine Fachkraft für ein riesiges Gebiet zuständig – sitzt dann mehr im Auto, als vor Ort die Hilfe anzubieten.

Daher sage ich deutlich: Gute Löhne für soziale Arbeit, dass muss drin sein -es ist gut, dass nach 25 Jahren Sozialer Arbeit in Sachsen wir hier im Landtag eine Debatte über Verantwortung und Wert von Sozialer Arbeit führen. Eine Diskussion allein über gute Löhne würde aber zu kurz greifen, das ist in der Debatte auch schon deutlich geworden.

Als Sozialarbeiter habe ich nach der Wende die Hilfestrukturen in Chemnitz mit aufgebaut. Ich weiß, wie es ist, sich von Sparhaushalt zu Sparhaushalt, von Projektfinanzierung zu Projektfinanzierung zu hangeln. Ich kenne die Tendenz zur Selbstausbeutung, „weil es ja nicht anders geht.“ – wie man von Sozialarbeitern, Pflegern oder Betreuern oft hört. Und das ist nach 25 Jahren in Sachsen nicht wirklich anders geworden, meine Damen und Herren!

Der Wert und der Mehrwert von Tätigkeiten im Sozial- und Pflegebereich ist nach wie vor nicht richtig anerkannt. Ich habe viel mit Menschen aus der Jugendstraffälligenhilfe, Wohnungslosenhilfe und Suchtkrankenhilfe zusammengearbeitet. Viele, die mit Menschen in Not arbeiten, nehmen schlechte Arbeitsbedingungen einfach in Kauf:

Zum Beispiel hohe körperliche und psychische Belastungen: Ich habe die schlimmen Folgen  gesehen, die durch Alkoholmissbrauch entstehen. Zunehmend auch Crystel. Die Folgen sind  besonders dramatisch für die Kinder in den betroffenen Familien. Bei Vernachlässigungen und Kindeswohlgefährdungen werden handlungsfähige Fachkräfte gebraucht, die nicht mit dem Rücken an der Wand stehen, sondern Rückhalt von den Trägern oder vom Jugendamt haben.

Zum Beispiel prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung mit Risiken bei der Altersabsicherung: Denn so ist eine stabile Projektarbeit z.B. bei Schulsozialarbeit nicht möglich. Da läuft die eine Förderung aus, die neue funktioniert noch nicht, Lücken entstehen. Die Beschäftigten müssen sich vorübergehend arbeitslos melden, denn kleine Träger können Einnahmeausfälle nicht monatelang überbrücken. Solche Stellen sind nicht attraktiv – so können keine Fachkräfte entwickelt werden.

Zum Beispiel nicht gleichförmige Finanzierung: So werden mit präventiven Maßnahmen wie dem Täter-Opfer-Ausgleich enorme Kosten im Justizhaushalt eingespart. Allerdings werden solche Maßnahmen nicht gleichförmig in den sächsischen Landkreisen angeboten. Teilweise gibt es solche Angebote gar nicht mehr. Der Einstieg in eine kriminelle Karriere verursacht gigantische Kosten – daher ist es fatal hier nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung zu stellen. Gute Soziale Arbeit erspart enorme gesellschaftliche Folgeschäden.

Zum Beispiel enorme Lohnunterschiede: Freie Träger können eben oft nicht auskömmlich, tarifgebunden zahlen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten dann freiwillig auf Bezahlung, professionelle Tätigkeiten werden dann quasi unentgeltlich erledigt.

Zum Beispiel Personalmangel: Sachsenweit fehlt jede fünfte Pflegefachkraft! Die Folgen sind Unterbesetzungen, Überstunden, Überlastung. Viele Beschäftigte halten nicht bis zur Rente durch. Viele weichen in Teilzeit aus. Die selbe Entwicklung gibt es bei der sozialen Betreuung von Flüchtlingen. Da ist eine Fachkraft für ein riesiges Gebiet zuständig – sitzt dann mehr im Auto, als vor Ort die Hilfe anzubieten.

Daher sage ich deutlich: Gute Löhne für soziale Arbeit, dass muss drin sein – ja, aber das allein reicht nicht: Gute Arbeitsbedingungen, langfristige Finanzierungs-perspektiven, ausreichend Personal und gesellschaftliche Anerkennung gehören dazu.

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