Nachnutzungskonzept der ehemaligen Restabfallbehandlungsanlage am Weißen Weg

Der Stadtrat Chemitz hat gestern einstimmig einen Grundsatzbeschluss über das Nachnutzungskonzept der ehemaligen Restabfallbehandlungsanlage des AWVC am Weißen Weg gefasst. Hier ist unsere Position dazu:

Der Standort der heutigen Restabfallbehandlungsanlage am Weißen Weg ist ein besonderer Ort für die Abfallwirtschaft unserer Stadt. Über viele Jahrzehnte hinweg wurde hier ein zentraler Beitrag zur sicheren, geordneten und umweltverträglichen Entsorgung geleistet. Vor 25 Jahren hat der Stadtrat Chemnitz einen Beschluss gegen Müllverbrennung gefasst. Diesem politischen Bekenntnis ging ein erfolgreiches Bürgerbegehren voraus. Die Chemnitzerinnen und Chemnitzer wollten keine Müllverbrennung in der Stadt. In Umsetzung dieser Willensbildung entstand damals die Restabfallbehandlungsanlage mit einer damals modernen technischen Infrastruktur. Deren Nutzungsdauer ist nunmehr abgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht ausdrücklich zu begrüßen, dass dieser etablierte Standort auch künftig für eine abfallwirtschaftliche und energetische Nutzung vorgesehen ist. Die Weiterentwicklung hin zu einer Bioabfallvergärung folgt grundsätzlich den richtigen Leitlinien: Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Wir unterstützen das Ziel, Bioabfälle künftig stärker energetisch zu nutzen und damit sowohl Emissionen zu reduzieren als auch fossile Energieträger zu ersetzen. Gleichzeitig sind wir der Auffassung, dass der Anspruch hoch sein muss, eine langfristig tragfähige, flexible und qualitativ hochwertige Lösung umzusetzen.

Für uns sind folgende Maßgaben wichtig:

Bioabfälle sind nicht gleich Bioabfälle. Haushaltsbioabfälle, Grünschnitt aus der kommunalen Pflege und weitere organische Stoffströme unterscheiden sich in ihrer Qualität. Der Umgang mit Vorbelastungen und Störstoffen ist eine technologische Herausforderung, die einerseits bei der Sammlung, andererseits auch bei der Behandlung gut gelöst werden muss.

Auch die flüssigen Gärreste müssen so behandelt werden, dass ihre Verwertung ökologisch unbedenklich, am besten regional gesichert und wirtschaftlich tragfähig – zumindest kostenneutral – ist.

Das erzeugte Biomethan sollte so eingesetzt werden, dass es der Stadt bzw. dem ASR einen Mehrwert bringt und einen Beitrag zur Gebührenstabilisierung leistet. Ebenso sollte die erzeugte Komposterde weiter innerhalb der Stadt verfügbar bleiben, zu fairen Preisen und in verlässlicher Qualität – insbesondere für Kleingärten, Gartenbau und kommunale Grünflächen.

Wir erwarten, dass sich Planung und Betrieb an bewährten Referenzanlagen messen lassen, dass spezialisierte Fachkompetenz eingebunden wird und dass Kennzahlen zu Effizienz, Emissionen und Wirtschaftlichkeit transparent vorgelegt werden.

Bei allen weiteren Schritten der Planung ist die proaktive Einbindung der Öffentlichkeit entscheidend. Das Thema Biovergärung wurde in Chemnitz in der Vergangenheit sehr kritisch diskutiert. Es gibt viele Fragen – insbesondere zu Technologie und Emissionen. Hier braucht es einen Prozess, in dem die Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner und der interessierten Stadtgesellschaft plausibel beantwortet werden.

Der Weiße Weg hat Geschichte – und er hat Zukunft. Wenn wir diesen Standort weiterentwickeln, dann sollten wir das mit dem gleichen Anspruch tun, der ihn über Jahrzehnte geprägt hat: verantwortungsvoll, vorausschauend und im Interesse der Stadtgesellschaft. Unter diesen Maßgaben begrüßen wir die geplante Absicht zur Weiternutzung des Standortes für eine Bioabfallvergärung und erwarten eine enge Einbindung in das weitere Verfahren zu Vergabe, Planung und Genehmigung.

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