GRÜNE zur Ausbreitung multiresistenter Keime in Sachsen

Pressemitteilung vom 20. November 2014:

Zur heutigen Berichterstattung über die Ausbreitung multiressistenter Keime in Deutschland und auch in Sachsen erklärt Volkmar Zschocke, Vorsitzender und gesundheitspolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion im Sächsischen Landtag:

„Die Zahl der Infektionen mit multiresistenten Keimen hat seit 2010 in allen Regionen Sachsens zugenommen. Gründe dafür sind die großen Mengen an Antibiotika, die in der Massentierhaltung und der Humanmedizin verabreicht werden. Doch auch mangelnde Hygiene in Krankenhäusern ist eine wesentliche Ursache.“

„Erschwerend kommt der Mangel an Fachkräften in der Hygiene- und Umweltmedizin in Sachsen hinzu. Seit 1996 wurden lediglich zehn Fachärztinnen und Fachärzte in diesem Bereich weitergebildet. 2013 waren insgesamt nur 19 Hygieniker im Freistaat tätig“, beklagt Zschocke.
„Besonders im Pflegebereich kommt die Hygiene aufgrund des schlechten Betreuungsschlüssels zu kurz. So lange das Personal im Gesundheitswesens so knapp bemessen ist, dass Pflegekräften kaum Zeit zum Hände desinfizieren bleibt, ist es kein Wunder, dass Krankheitserreger leichtes Spiel haben.“

„Ein Ausbau der Überwachung mit Hilfe des MRE-Netzwerkes in Sachsen, wie von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) angekündigt, reicht nicht aus, denn der Fehler steckt der Fehler im System. Massentierhaltung funktioniert beispielsweise nur mit Antibiotika“, meint Volkmar Zschocke und ergänzt: „Überzüchtete Tiere sind auf engem Raum zusammengepfercht. Das macht sie anfällig für Krankheiten. Deshalb bekommen sie immer wieder prophylaktisch Antibiotika verabreicht.“

„Wir fordern von der Staatsregierung seit langem einen Reduktionsplan für Antibiotika in der Tierhaltung. Ziel muss sein, dass ausschließlich kranke Tiere mit Antibiotika behandelt werden. Würde die Staatsregierung Anreize für Tierhalter schaffen, damit diese ihre Tierbestandsdichten verringern und die Mastdauer verlängern, könnte dieses Ziel schneller erreicht werden. Der neue Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt muss unverzüglich handeln. So lange er sich selbst als ‚Wirtschaftsminister für den ländlichen Raum‘ begreift, ist zu befürchten, dass das System der industriellen Tierhaltung wieder nicht angefasst wird“, kritisiert Zschocke.

„Nicht-Handeln ist teurer. Neben dem Leid der Betroffenen sind auch die Behandlungskosten infolge einer nicht rechtzeitig entdeckten MRSA-Infektion enorm. Sie kostet das Krankenhaus durchschnittlich etwa 18.000 Euro an Zusatzaufwendungen. Allein in sächsischen Kliniken fallen derzeit über fünf Millionen Euro Zusatzkosten an.“

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