Gedenkveranstaltung für die Opfer der Reichspogromnacht 1938

Die Erinnerung an die Geschehnisse vom 9. November 1938 zu bewahren ist lebenswichtig. Gerade in einer Zeit die von einem wiedererstarkenden Antisemitismus geprägt ist.

Antisemitismus zeigt sich heute in verschiedenen Facetten: Mal gekleidet in politische oder religiöse Meinungsäußerung, mal unverhohlen und geschichtsrevisionistisch. Er zeigt sich im Missbrauch des David-Sterns bei Corona-Protesten oder in Verschwörungstheorien gegen eine angebliche „geheime, jüdische Weltregierung“. Er versteckt sich hinter vermeintlicher Israelkritik oder kommt unverhohlen zum Ausdruck in Boykott-Kampagnen gegen israelische Künstler. Er sickert wieder ein in die Sprache, in Sprüche auf dem Schulhof. Auch Geschichtsvergessenheit oder Nichtwissen oder Halbwissen sind Nährboden für Antisemitismus.

Wir müssen besonders wachsam sein, wenn rechte Kräfte die Diskussion um Juden oder Israel instrumentalisieren, um die eigenen fremden- oder islamfeindlichen Positionen zu legitimieren, in dem sie mit dem Finger auf den vermeintlichen Antisemitismus muslimischer Migranten zeigen. Aber Antisemitismus bleibt ein Kernelement extrem rechter Einstellungen. Was soll es denn anderes sein als Antisemitismus, wenn nicht der Holocaust als Schande bezeichnet wird, sondern das Denkmal, das an ihn erinnert? Was soll es denn anderes sein als eine Verharmlosung der Shoa, wenn der Nationalsozialismus mit einem Vogelschiss verglichen wird? Damit werden tief in der Bevölkerung verankerte antisemitische Ressentiments angesprochen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 sind diese Ressentiments umgeschlagen in offenen Hass und in die systematische Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden.

Erinnern heißt deshalb auch, niemals zu vergessen, was geschehen kann, wenn wir schweigen oder aufhören zu widersprechen.

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