Fraktionserklärung zur Stadtratssitung am 22.4.2026

Die aktuellen Diskussionen um das Schauspielhaus werfen in der Stadtgesellschaft mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Die Pläne für ein Schauspielhaus im Umfeld der Oper wurden von der Verwaltung als unbezahlbar verworfen. Jetzt soll es plötzlich mit einem Bruchteil der Mittel möglich sein. Theater ist aber mehr als das, was auf einer Bühne passiert. Dafür müssen die Mittel reichen. Wir wollen nicht, dass es am Ende kein eigenständiges Schauspielhaus mehr gibt. Gerade das Chemnitzer Schauspiel ist mit seiner Geschichte zentral für Identität, Attraktivität und Lebensqualität unserer Stadt.

Von den explodierenden Kosten fossiler Energien ist auch Chemnitz massiv betroffen. Bundesweit gingen Tausende am letzten Wochenende dagegen auf die Straße. Bei rationaler Betrachtung wird schnell klar, dass jetzt der Ausbau unabhängiger Energiequellen massiv beschleunigt werden muss. Alles andere gefährdet die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Wir verstehen nicht, warum in Berlin und auch hier dieser Ausbau ausgebremst wird. Da wird gegen Windkraftanlagen mobil gemacht, gegen Solaranlagen gekämpft, gegen Wärmepumpen gewettert. Das wirkt wie kindlicher Trotz. Natürlich werden wir in den kommenden Jahren Importe von Öl und Gas benötigen. Doch gerade bei der sich immer mehr zuspitzenden globalen Lage sollten wir uns hier über politische Gräben hinweg zusammenraufen und überall im Stadtgebiet den Weg frei machen, auch die eigenen Ressourcen bei der Energiegewinnung zu nutzen. Das wäre wirklich im Interesse der Chemnitzer Bevölkerung. Dächer, Fassaden, Gewerbeflächen oder Parkplätze wir vor der Messe oder dem Stadion – es gibt noch viel ungenutztes Potenzial für Energieerzeugung in unserer Stadt. Die Energiewende ist kein ideologisches Projekt – sie ist schlichtweg wirtschaftliche Notwendigkeit für den Industriestandort Chemnitz.

Beim Bahnausbau zwischen Chemnitz und Leipzig geraten Diskussion und Kostenentwicklung in eine gefährliche Schieflage. Dabei ist das gemeinsame Ziel völlig klar: Wir brauchen endlich eine leistungsfähige, schnelle und verlässliche Bahnverbindung zwischen beiden großen Städten. Das sind auch keine überzogenen Wünsche nach maximalen Ausbaustandards. Es geht um das Mindeste, was Bürgerinnen und Bürger, Pendlerinnen und Pendler sowie die Wirtschaft zu Recht erwarten: Eine stabil funktionierende Verbindung zwischen Chemnitz und Leipzig ist kein Wunschdenken – sie ist Grundvoraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse und wirtschaftliche Entwicklung.

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