Heute erinnerte die Stadt Chemnitz am Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis an den Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Stadt Chemnitz, der Vereinigung der Opfer des Stalinismus und dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis organisiert.
Am 17. Juni 1953 kam es in nahezu allen Städten der DDR zu Streiks, Massendemonstrationen und politischen Protesten. Sie richteten sich gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie gegen die Repressionen des SED-Regimes. Der Aufstand wurde schließlich von staatlichen Sicherheitskräften und dem sowjetischen Militär blutig niedergeschlagen.
Oberbürgermeister Sven Schulze stellte in seiner Rede die Opfer politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR in den Mittelpunkt. Die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Nancy Aris, schilderte die Ereignisse insbesondere für den Bezirk Karl‑Marx‑Stadt. Anfang Juni 1953 kam es in mehreren großen Betrieben zu Streiks, etwa im VEB NAGEMA oder im Schleifmaschinenwerk.
An der Gedenkveranstaltung nahmen viele Schülerinnen und Schüler teil. In ihren Redebeiträgen wurde deutlich, dass Erinnerungskultur nicht nur dem Blick in die Vergangenheit dient, sondern auch Orientierung für Gegenwart und Zukunft gibt. Eine junge Rednerin beleuchtete dabei die weibliche Seite des Volksaufstands, die oft unsichtbar bleibt.
Beim Blick auf die vielen jungen Menschen wurde mir bewusst, dass Freiheit und Demokratie – gerade für Familien, die nach Deutschland geflohen sind – keine Selbstverständlichkeiten sind. Die damaligen Ereignisse, aber auch aktuelle Entwicklungen in anderen Ländern, zeigen, wie schnell politische Systeme, die demokratische Rechte einschränken, in Repression und Gewalt führen können. Das Vermächtnis von 1953 ist für mich daher, den aktuell in Deutschland wieder populärer werdenden autoritären und repressiven Politikvorstellungen deutlich zu widersprechen.



