Die beste Vorsorge für stabiles Funktionieren unserer Grundversorgung ist ein möglichst hoher Impfschutz

Redebeitrag des Abgeordneten Volkmar Zschocke (BÜNDNISGRÜNE) zum Bericht der Staatsregierung zur Corona-Pandemie
36. Sitzung des 7. Sächsischen Landtags, Mittwoch, 29.09.2021, TOP 1

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist wichtig, dass heute Staatsminister Günther zur Corona-Pandemie berichtet hat. Das gibt die Möglichkeit, den Blick auf die Menschen zu richten, die jenseits der enormen Leistungen in Gesundheitswesen und Pflege dafür gesorgt haben, dass unser tägliche Grundversorgung auch unter Pandemiebedingungen weiter funktioniert. Von den Anstrengungen, die dafür notwendig waren, haben wir im Alltag wenig gespürt. Statt sich ständig darüber aufzuregen, was alles schlecht funktioniert, wäre es sehr sehr wichtig, mehr das zu schätzen, was gut funktioniert.

Während der ganzen Zeit der Pandemie war die Versorgung mit einer reichhaltigen Auswahl an Lebensmitteln überall sichergestellt. Das ist nicht selbstverständlich. Krankheitsausfälle, gestörte Produktion und Lieferketten – all das musste gemanagt werden. Natürlich wissen wir hinterher, was künftig besser gemacht werden kann – zum Beispiel bei den Wochenmärkten. Es war wichtig, diese schnell wieder zu öffnen. Für Direktvermarkter sind sie von zentraler Bedeutung. Unterschiedliche pandemiebedingte Regelungen in den Städten forderten zuweilen logistische Akrobatik ab. Denn die Fahrzeuge der Direktvermarkter haben frische Ware mit kurzer Haltbarkeit geladen. Und für Hofläden in der Region wurde die Radius- oder Kreisgrenzenregelung schnell existenzbedrohend. 

In der Landwirtschaft war der Einsatz der Saisonarbeitskräfte besonders schwierig. Es war praktisch nicht möglich, zum notwendigen Zeitpunkt die erforderlichen Arbeitskräfte zu rekrutieren. Teilweise musste die dann an irgendeinem Flughafen in Deutschland abgeholt werden. Dazu kam deutlicher Mehraufwand bei Unterbringung und Versorgung. Auch hier haben alle Beteiligten dazugelernt – insbesondere wie Zuständigkeiten zwischen Ministerien, Vorschriften und Kommunikation verbessert werden können. Die Betriebe hatten schon alle Hände damit zu tun, die Ernte irgendwie reinzubekommen. Man kann Spargel eben nicht im Homeoffice ernten. Von all diesen enormen Anstrengungen haben die Verbraucherinnen und Verbraucher wenig bis nichts gespürt.

Auch die Forstwirtschaft war betroffen. Pandemie und Waldkrise. Wenn Arbeitskräfte nicht da sind, gerät die dringende Wiederaufforstung ins Stocken. Die Pflanzen müssen zu bestimmten Zeiten in den Boden. 

Abfallentsorgung und Stadtreinigung funktionieren auch nicht im Homeoffice. Beides personalintensive Bereiche. Die erbrachten Leistungen sind nicht selbstverständlich. Weil Urlaub und Ausflüge eingeschränkt waren, stieg der Druck auf Parks und Grünanlagen und damit auch die Vermüllung. Es war eine wichtige Erkenntnis, dass die Wertstoffhöfe nicht schließen können. Wenn Prozessketten im Wertstoffkreislauf abreißen, wenn Recyclingbetriebe schließen, entsteht ein Schaden, der sich nicht so schnell reparierbar ist. Übergroße Lagermengen von Abfällen oder Altgeräten bergen auch Gefahren.

(Richtig war auch die Einstufung der Abwasser- und Klärschlammentsorgung als systemrelevante Infrastruktur. Denn selbst die modernste Kläranlage funktioniert nicht ohne Personal. Auch pandemiebedingte Lieferengpässe für bestimmte Zusatzstoffe für den Zersetzungsprozess können für den Anlagenbetrieb schnell zum Problem werden. Und auch hier haben alle Beteiligten viel gelernt, um die Systeme noch resilienter zu gestalten.)

Bei Störungen in der Wasser- und Energieversorgung kann sich eine Pandemie schnell zur Katastrophe entwickeln. Komplexe Anlagen und viele tausend Kilometer Leitungsnetz sind zu managen. Das Krisen- und Notfallmanagement hat hier höchste Priorität. Trotz Automatisierung und Digitalisierung ist kontinuierlich hochqualifiziertes Personal notwendig, welches die Warten und Schaltzentralen rund um die Uhr 365 Tage betreut. Eine Pandemie ist eine akute Bedrohung für kontinuierlichen Schichtbetrieb. Dank des außergewöhnlichen Einsatzes der dort Beschäftigten war zu keinem Zeitpunkt die Versorgung mit Trinkwasser, Strom oder Gas gefährdet. Doch auch hier sind Probleme sichtbar geworden: Was passiert eigentlich, wenn bei einem dramatischen Infektionsgeschehen das Personal dauerhaft vor Ort bleiben muss, um die kritische Infrastruktur aufrechtzuerhalten? Ich will den Appell des Ministers deutlich unterstreichen: Die beste Vorsorge, dass solche Situationen nicht eintreten, ist ein möglichst hoher Impfschutz. Hier sind wir ALLE in der Verantwortung! Wir ALLE können einen Beitrag zum Infektionsbekämpfung und damit zur Prävention von Systemzusammenbrüchen leisten. 

Mir war wichtig, diese Bereiche zu nennen. Gemeinsam mit den an der Problemlösung beteiligten Abteilungen der Ministerien haben all diese Beschäftigten verantwortungsvoll und uneigennützig schwierigste Situationen gemeistert, Schlimmeres verhindert. Das lief im Hintergrund ab, ohne große öffentliche Aufmerksamkeit. Das sollten sich alle bewusst machen, besonders die, die ständig alles schlecht reden.

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