DDR-Heimkinder: 4.508 Betroffene warten auf Beratung

Pressemitteilung vom 30. Oktober 2014:

Der Beratungsbedarf von Menschen, die als Kinder und Jugendliche Leid und Unrecht in Heimen der DDR erfuhren, steigt. Das offenbart die Antwort der sächsischen Staatsregierung auf eine aktuelle Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke (GRÜNE). Dabei warten 4.508 ehemalige DDR-Heimkinder in Sachsen noch eine auf Beratung.

„25 Jahre nach der Wende sind viele individuelle Wirkungen der DDR-Diktatur noch nicht ausreichend aufgearbeitet“, kritisiert Volkmar Zschocke, Vorsitzender der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. „Es ist ungewiss, wie lange Betroffene der DDR-Heimerziehungen in  Sachsen auf ein Beratungsgespräch bei der Anlauf- und Beratungsstelle in  Leipzig warten müssen.“ Das Sozialministerium teilte mit, dass derzeit 4.508 Betroffene auf Beratung warten, >>jedoch dezidierte  Angaben zu den Wartezeiten nicht möglich sind<<.

„Es reicht nicht, auf Festveranstaltungen die Freiheit zu feiern, wenn die  Anliegen derer, denen Freiheit und Lebenschancen durch die DDR-Jugendhilfe beschränkt wurden, auf die  lange Bank geschoben werden. Das Termine für ein Beratungsgespräch überhaupt nicht absehbar sind, kann nicht tatenlos hingenommen werden. Das Beratungsangebot sollte ein weiteres Mal aufgestockt werden“, fordert Zschocke. „Denn die Zahl  derer, die  Beratungsbedarf angemeldet haben, hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.“

Für Zschocke muss die Aufarbeitung der Wirkungen der Diktatur im Alltag gesellschaftlich verankerte Daueraufgabe bleiben: „Dies umfasst viel mehr als SED und Stasi. Viele Prägungen und Verletzungen wirken bis heute.“

Ansprüche auf Leistungen aus dem Fond  mussten bis zum 30. September  2014 angezeigt werden. Bei der Anlauf-  und Beratungsstelle in Leipzig  haben sich insgesamt 5.780 Betroffene bis zum Stichtag gemeldet.

» Kleine Anfrage ‚Fonds „Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990“ (Drs 6/15)

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