Zu trocken, zu nass – diese Entwicklung beschreibt eine neue Realität auch in Chemnitz. Längere Dürreperioden wechseln sich mit Starkniederschlägen ab. Vor diesem Hintergrund stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Weltwassertag 2026 die Frage: Ist Chemnitz auf dem Weg zur Schwammstadt – und was können wir gemeinsam dafür tun?
Aktuelle Erkenntnisse, unter anderem aus dem Deutschen Dürremonitor des UFZ Leipzig, zeigen: Die Grundwasserschwankungen nehmen deutlich zu. Diese Dynamik erfordert ein Umdenken im Umgang mit Wasser in der Stadt.
Volkmar Zschocke, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion betont: „Das Konzept der Schwammstadt setzt darauf, Regenwasser vor Ort zu speichern, zu versickern und wiederzuverwenden, statt es nur über die Kanalisation abzuleiten. Ziel ist eine Stadt, die sowohl mit Trockenheit als auch mit Starkregen umgehen kann.“
Die Bündnisgrüne Fraktion sieht zahlreiche konkrete Ansatzpunkte in Chemnitz:
- Entsiegelung und kluge Flächennutzung: Versiegelte Flächen verhindern die natürliche Versickerung von Wasser. Hinterhöfe, Schulhöfe, Parkplätze und Wege bieten großes Potenzial für Entsiegelung oder wasserdurchlässige Gestaltung. Gleichzeitig gilt: Neubau im Stadtgebiet und Nutzung von Brachflächen müssen Vorrang vor Neubauten auf der „grünen Wiese“ haben.
- Grünflächen als Wasserspeicher stärken: Parks, Grünanlagen und Straßenbäume können gezielt als natürliche Regenwasserspeicher
genutzt werden. Mulden, Senken und ausreichend große Baumscheiben fördern die Versickerung und entlasten die Kanalisation. Gleichzeitig verbessern sie das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität. - Straßen wassersensibel sanieren: Beim aktuell beschlossenen Ausbau der Reinhardstraße wird der Straßenraum so gestaltet, dass das Regenwasser nicht ausschließlich in die Kanalisation läuft, sondern in den Boden, in den Wurzelraum der Bäume, in die Baumscheiben. Auf solche wassersensiblen Lösungen sollte bei künftigen Straßensanierungen stärker geachtet werden.
- Gebäude und Infrastruktur anpassen: Dach- und Fassadenbegrünung, Regentonnen, Zisternen und Rigolen tragen dazu bei, Wasser lokal zu speichern und mehrfach zu nutzen. Ein dezentrales Regenwassermanagement reduziert die Belastung der Kanalnetze und spart langfristig Kosten. Regenwassernutzung kann auch die Kosten für notwendige Bewässerung senken.
- Gewässer sichtbar machen und vernetzen: Die Renaturierung und Offenlegung von Bachläufen sowie die Entwicklung von „blaugrünen Bändern“ wie am Pleißenbach schaffen neue Lebensräume, verbessern den Hochwasserschutz und sorgen für Kühlung in heißen Sommern.
„Der Wandel hin zu einer Schwammstadt ist kein Einzelprojekt, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe“, betont Volkmar Zschocke. „Neben der
Stadtverwaltung sind auch Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine und Institutionen gefragt – etwa durch Begrünungsmaßnahmen,
Pflegepatenschaften oder die Nutzung von Förderprogrammen. Chemnitz ist auf dem Weg zur Schwammstadt. Doch angesichts der zunehmenden Klimarisiken muss dieser Weg konsequent und zügig weitergegangen werden.“
