Reaktivierung der Bahnstrecke Pockau – Marienberg: Längst überfälliger Richtungswechsel

Pressemitteilung vom 24.07.20

Am 9. Juli 2020 haben die beiden führenden Verbände der Bahn- und Nahverkehrsbranche, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie die Allianz pro Schiene, ihre Vorschläge für die Reaktivierung von stillgelegten Eisenbahnstrecken in Deutschland der Öffentlichkeit präsentiert. Laut der nunmehr aktualisierten und erweiterten Liste schlagen die Verbände bundesweit insgesamt 238 Strecken mit über 4000 km Länge zur Reaktivierung vor. Darunter befindet sich im Erzgebirgskreis auch die Bahnstrecke von Pockau nach Marienberg.

Seit Dezember 2011 wurde dieser Streckenabschnitt nur noch werktags mit einem einzigen Zugpaar bedient. Zum Fahrplanwechsel zwei Jahre später wurde der Reiseverkehr zwischen diesen Orten aufgrund der danach erwartbar wenigen Fahrgäste in Gänze eingestellt.

Der für die Region zuständige BÜNDNISGRÜNE Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke äußert sich dazu in folgendermaßen:

„Nachdem die vergangenen Jahrzehnte ganz dem Auto gehörten und etliche Bahnnebenstrecken nur noch nach ihrer Rentabillität beurteilt und dann entsprechend eingestellt wurden, bahnt sich nun ein längst überfälliger Richtungswechsel an. Dabei hat ein guter Schienenverkehr auch im ländlichen Raum viele Vorteile. Da geht es um Wirtschaftsförderung schlechthin, um das touristsche Potential und um die Vermeidung des Abgehängtseins in ländlichen Räumen. Es geht um ein Mindestangebot an öffentlichem Nahverkehr und darum, dass die Große Kreisstadt und Mittelzentrum Marienberg, das jetzt zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, überhaupt wieder eine Bahnanbindung erhält. Erforderlich ist eine Mobilitätswende, die nicht nur Verbrennungsmotoren durch alternative Antriebe ersetzt, sondern die ebenso die Attraktivität des klimafreundliichen Verkehrsträgers Bahn fest im Blick hat.“

„Dabei stehen die Chancen zur Reaktivierung der 12 Kilometer langen Verbindung so gut wie noch nie. Nach fachlichen Gesichtspunkten stuft der VDV in seiner Studie den dafür erforderlichen Zeitaufwand als gering ein und hält eine zügige Realisierung bei hoher Priorität für möglich, zumal auch gute Finanzierungschancen bestehen. Das GVFG-Bundesprogramm (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzt), welches konkret für Investitionen in Streckenreaktivierungen gedacht ist, wurde bis 2025 von derzeit 665 Millionen auf 2 Milliarden Euro aufgestockt.

Der GRÜNE begrüßt, dass sich auch der VMS in seiner jüngsten Verbandsversammlung im Juni zur Reaktivierung des Reiseverkehrs auf dieser Strecke bekannt hat und die entsprechenden Verkehrsleistungen bestellen will.

„Bahnanschlüsse sind Standortvorteile, auch im Wettbewerb um Arbeitskräfte, Wohnstandorte und Innovationen – deshalb muss die Bahn in die Fläche zurück. Auch der Freistaat sollte nach dem vom Innenministerium erstellten positiven Gutachten die Bestrebungen der Kommunen und ihrer Bürgermeister ernst nehmen.“