Wassersensible Stadtentwicklung

Wir haben einen Antrag zur wassersensiblen Stadtentwicklung eingereicht. Warum?

Wir erleben derzeit das dritte trockene Jahr in Folge. Die letzten beiden Jahre waren die heißesten Jahre seit Temperaturaufzeichnung -verbunden mit enormer Verdunstung und Trockenheit. Im Dürremonitor vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung sticht besonders Sachsen mit außergewöhnlicher, extremer Dürre hervor: Die Trockenheit zieht mittlerweile bis in tiefe Bodenschichten. Die Auswertungen der meteorologischen Daten der letzten drei Jahrzehnte für Sachsen zeigen eine Abnahme der durchschnittlichen Niederschläge in der Vegetationsperiode April bis Juni. Gleichzeitig steigen die Temperaturenund damit die potenzielle Verdunstung an.

Wir müssen die klimatischen Trends auch in unserer Stadt ernster nehmen und vorbeugend handeln. Der Handlungsansätzeeiner „Wassersensiblen Stadtentwicklung“ bzw. das Konzept „Schwammstadt“ ermöglichenin Kombination mit den Instrumenten der Stadtplanung einen nachhaltigen Umgang mit Überschuss bzw. Mangel an Regenwasser. Es geht darum, den natürlichen wie auch den städtischen Wasserkreislauf imSinne einer klimaangepassten Stadtentwicklung in den Blick zu nehmen, um auf erwartbare weitere Trockenphasen besser vorbereitet zu sein. Hierbei können öffentliche und private Akteure wirksam werden. Ein von der Stadtverwaltung koordinierter Arbeitskreis soll ein abgestimmtes Handeln sichern nach der Maßgabe „Was tun wir bereits? Was können wir noch tun? Was können wir gemeinsam tun?“. Die Arbeitsform eines Arbeitskreises stellt die Partizipation aller handelnden Akteure sowie der entscheidungsvorbereitenden Gremien sicher.

Die Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten zeigt diese nicht abschließende Auswahl:

  • Maßnahmen zur Versickerung von Niederschlagswasser, zur Anreicherung des Grundwassers, zur Stärkung der Niedrigwasserführung der städtischen Gewässer
  • Maßnahmen der naturnahen Pflege und Vermehrung der Grün-und Wasserflächen, der Pflanzung von Bäumen, insbesondere großkroniger Arten, Sträuchern und Heckenstrukturen, um vor Bodenaustrocknung zu schützen
  • Maßnahmen „Grün statt Asphalt“ auf Parkplätzen, auf Vorplätzen, entlang von Straßen, in Gleisbetten, Versickerungsmulden/-flächen
  • Maßnahmen im Rahmen der Bauleitplanung, z.B. Vorrang der Regenwasserrückhaltung in neuen Siedlungs-und Gewerbegebieten vor Ableitung in Kanalisationen oder Begrünung von Fassaden, Dächern
  • Maßnahmen zur Regenwasserspeicherung, Dachentwässerung in Teiche, Schaffung von Regenzisternen und Becken als Speicher zur Bewässerung, auch unterirdisch
  • Maßnahmen der Wasserbereitstellung für Industrie, Gewerbe oder Bewässerung unabhängig vom Trinkwassernetz
  • Maßnahmen der Wiederverwendung und Kreislaufführung der Abwasserströme
  • Maßnahmen der Beratung, der Öffentlichkeitsarbeit und Vorstellung von Best Practice

Die Betrachtung der spezifischen Gegebenheiten des Chemnitzer Stadtgebietes, der Flächennutzung, Bebauung, Eigentumsverhältnisse etc. ermöglicht die konkrete Auswahl und Umsetzung von praxistauglichen Maßnahmen. Letztendlich geht es um die Initiierung eines ähnlich kreativen Prozesses zur nachhaltigen Speicherung und Nutzung von Wasser wie er schon in manch Kleingartenanlagen zu besichtigen ist –nur auf das gesamte Stadtgebiet bezogen.