Bewerbung um die Aufstellung als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Chemnitz

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

ich bewerbe mich um Eure Unterstützung für eine erneute Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters in Chemnitz.

Schon 2013 war meine Bewerbung für das höchste Amt in meiner Heimatstadt die logische Konsequenz aus gemeinsamem, jahrelangem und erfolgreichem Engagement für Chemnitz. Vor sieben Jahren war die Zeit für eine Bürgermeisterin bzw. einen Bürgermeister aus den Reihen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aber offenbar noch nicht reif. Damals forderte ich neben mehreren Bewerbern eine Amtsinhaberin heraus, die starken Rückhalt in der Stadtgesellschaft hatte. Barbara Ludwig hat nach zwei Amtsperioden viele Verdienste für die Entwicklung der Stadt. Sie hat auch in schwierigen Zeiten nach 2015 und 2018 vielen Anfeindungen zum Trotz immer wieder Dialog und Miteinander in unserer Stadt gefördert. Nun tritt sie nicht mehr an.

Die zentrale Frage des bevorstehenden Wahlkampfes wird sein, welche Bewerberin bzw. welcher Bewerber am besten in der Lage ist, die Stadt überparteilichund gemeinsam mit der progressiven Mehrheit weiter nach vorn zu bringen. Ich möchte für diese Frage eine am 14. Juni wählbare Antwort sein. Ganz im Sinne „Suchet der Stadt Bestes“ biete ich meine Kraft und langjährige kommunalpolitische Erfahrung an für die konstruktive Zusammenarbeit mit allen Teilen der Stadtverwaltung, Fachbürgermeistern und den demokratischen Kräften im Stadtrat. Führen heißt für mich vor allem zusammenzuführen.

Chemnitz ist mein zu Hause. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Meine Familie kommt von hier. Ich bin mit Stadt und Region regelrecht verwachsen. Meine Kinder sind hier in Kindergarten und Schule gegangen. Sie haben ihre Nachmittage auf den Spiel- und Fußballplätzen, in der Musikschule oder bei tollen Freizeitangeboten dieser Stadt verbracht. Die Offenheit und Kreativität der Menschen, das Miteinander in Vereinen und Initiativen, das vielfältige Kulturleben, das wertvolle Stadtgrün, die Schönheit der Natur in der Umgebung, die großartige Montan- und Industriekultur der Region, die Internationalität von Universität oder Unternehmen – all das bedeutet mir sehr viel. Nichts davon ist selbstverständlich und kann auch verloren gehen.

Deshalb stehe ich in besonderer Weise für eine Politik der Achtsamkeit. Achtsamkeit im Umgang miteinander – zwischen den Generationen und Kulturen. Achtsamkeit im Umgang mit den Kindern. Sie verdienen unabhängig von ihrer Herkunft die besten Voraussetzungen für den Start ins Leben. Achtsamkeit im Umgang mit den vielfältigen Einflüssen, welche die Stadt prägten und prägen. Achtsamkeit im Umgang mit Natur und Umwelt. Die Bürgerinnen und Bürger der Chemnitzer Klimanotstands-bewegung weisen zu Recht darauf hin: Der Klimawandel bedroht vor allem die Städte. Die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen muss zentraler Maßstab städtischen Handelns sein.

Zukunftsfragen wie Klima, Mobilität, Integration, Sicherheit oder gesellschaftlicher Zusammenhalt werden vor allem in den Städten gelöst. Meine Arbeit als Bürgermeister will ich daher an drei Leitgedanken ausrichten:

1. Wirtschaft mit Perspektive. Die Energiewende, der Wandel der Automobilinidustrie, die Veränderungen in Gesundheits- und Sozialwirtschaft oder die Digitalisierung sehe ich vor allem als Chance für Wirtschaft und Arbeitsplätze mit Perspektive. Ich fördere ein Klima, in dem Ingenieurskunst und Unternehmergeist gedeihen.

2. Chemnitz größer denken. Als Bürgermeister werde ich die Zusammenarbeit mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in der gesamten Regionen forcieren. Es gibt so viele Themen, bei denen Kooperation wichtiger ist als Wettbewerb: Kulturhauptstadtbewerbung, Fernbahnanbindung, Tourismus, vernetzte Mobilität, Hochwasserschutz, nachhaltige Flächenpolitik, Fachkraftentwicklung …

3. Brücken bauen. Als Bürgermeister will ich auf alle Teile der Stadtgesellschaft zugehen und starke Gemeinwesen in den Stadtteilen fördern. Ich will das Bewusstsein für gegenseitige Rücksichtnahme und gemeinsame Regeln stärken. Und ich werde die gewachsene Kultur der Einbindung der Einwohnerinnen und Einwohner pflegen.

Die große Mehrheit der Chemnitzerinnen und Chemnitzer will in einem zukunftsfähigen, europäischen Chemnitz leben. Sie wollen nicht, dass das Bild der Stadt von rechten Stimmungsmachern dominiert wird. Ich will ein neues Chemnitzer Selbstbewusstsein und die positive Energie in der Stadtgesellschaft stärken: Toleranz, Mitmenschlichkeit, Respekt gegenüber anderer Kultur und Religion. Gemeinsam können wir dem Ausbreiten demokratie- und menschenfeindlicher Stimmungsmache Einhalt gebieten.

Ich bitte um Eure Unterstützung – für Nominierung und Wahlkampf.

Chemnitz, 28.01.2020

Herzlich Grüße
Volkmar Zschocke