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Ich mache mir Gedanken und habe Fragen

Ich weiß, es ist jetzt nicht die Zeit für große Fragen. Die Eindämmung der Pandemie macht es zurzeit erforderlich, das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben auf ein ungewohntes Minimum herunterzufahren – für weitere Wochen. Das ist eine enorme Herausforderung. Für viele Menschen ist es eine existenzielle Bedrohung. Es schränkt unsere liebgewonnenen und gerade hierzulande schwer erkämpften Freiheiten ein - zum Schutz vor dieser globalen und gesundheitlichen Gefahr.

Trotzdem gehen mir viele Gedanken im Blick auf die Zeit danach durch den Kopf. Denn es wird eine nicht minder schwierige Herausforderung werden, alle Systeme schrittweise wieder hochzufahren. Und schon jetzt stellen sich grundsätzliche Fragen, die weit über die bessere Vorsorge bei Schutzausrüstung oder medizinischen Behandlungskapazitäten hinausgehen.

Können zum Beispiel alle Betriebe ihre Arbeit quasi auf Knopfdruck reaktivieren? Wie muss Wirtschaft sich verändern - mit Blick auf die Chancen der Digitalisierung, die Unabhängigkeit von globalen Lieferketten oder die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe? Ein positiver Aspekt in diesen Tagen könnte sein, dass das Bewusstsein für die lokalen und regionalen Händler*innen und Erzeuger*innen steigt.

Weitere Fragen tauchen auf, wenn wir nach nervenaufreibenden Wochen der Heimbetreuung schon aus pädagogischen Gründen einfach nur froh sind, dass unsere Kinder endlich wieder in Kita und Schule können. Wird sich mit den Erfahrungen dieser Tage die gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit von Lehrer*innen oder Erzieher*innen endlich verbessern? Werden wir den unschätzbaren Wert der Arbeit von Pflegekräften wirklich so verinnerlicht haben, dass es tatsächlich zu einer durchgreifenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen kommt?

Stürzen wir uns nach dieser notwendigerweise verordneten Zwangspause gleich wieder ins Hamsterrad des unerbittlichen Wettbewerbs? Oder gehen wir künftig achtsamer mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unseren Ressourcen um? Wie werden wir in Zukunft unser Zusammenleben so gestalten, das aus monatelangem Abstand nicht noch mehr soziale Kälte wird?

Und nicht zuletzt stellen sich mir Fragen danach, ob Abschottung, Abgrenzung und Nationalismus eine weitere Renaissance erleben oder ob wir Freizügigkeit, Solidarität und gemeinsame Werte bewahren können? Gelingt es endlich, die Rahmenbedingungen unseres europäischen und globalen Zusammenlebens neu auszurichten - hin zu mehr gesellschaftlichen Sinn stiftender Kooperation?

Rückkehr zur alten Normalität ist absehbar in einigen Bereich nur schwer möglich. Es wird sich vieles ändern. Ich will nicht bis zum 20. April warten, mir darüber Gedanken zu machen.
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