Eine besondere Ausstellung von einem besonderen Künstler

Es ist schon etwas Besonderes, wenn es Menschen gelingt, traumatische Erlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. Es ist etwas Besonderes, wenn diese Menschen dann so offen sind, dass die Öffentlichkeit daran teilhaben kann. René Münch ist ein solcher offener Menschen. Er zeigt seine Emotionen und Gedanken. Er zeigt aber auch das, was sich nicht in Worte fassen lässt und bringt es spontan auf Leinwand, Karton und Papier. René Münch offenbart in seinen Bildern sein Innerstes und wir dürfen uns davon berühren lassen.

Bewegend, eindrucksvoll und mit großer Offenheit erzählt der Dresdener Künstler René Münch über seine traumatische Vergangenheit als Heimkind in der DDR, die er in seinen Bildern aufarbeitet. Damit gewährt er Einblicke in ein Thema, bei dessen Aufarbeitung wir noch ganz am Anfang stehen und macht denjenigen Mut, die ähnliche Schicksale erlitten haben.

Bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Vergangenheit.Aufarbeitung“ am 6. April im Bürgerzentrum Mitte-West in Chemnitz fesselte er mit seinen Erzählungen über Elternlosigkeit, Medikamentenversuche und Missbrauch sowie über Repression und Überwachung das Publikum. Im Anschluss entwickelte sich eine rege Diskussion, die sich in persönlichen Gesprächen nach der Vernissage fortsetzte. Die vielen Nachfragen und das große Interesse an einem Austausch machen deutlich, wie wichtig es ist, die Folgewirkungen der DDR-Diktatur weiter aufzuarbeiten. Der Blick auf die Staatssicherheit greift da viel zu kurz. Schicksale wie die von René Münch offenbaren eben auch die Tiefenwirkungen und Verästelungen des Apparates in Gesellschaft, Staat, Partei, Blockparteien, Jugendhilfe, Familien und Justiz. Sie geben Hinweise auf die Wirkmechanismen des Repressionssystems, in dem jeder Täter und Opfer werden konnte, in vielen Fällen auch beides zu gleich.

Ein verklärender Rückblick auf die DDR gelingt immer nur dann, wenn diese Teile der damaligen Lebenswirklichkeit ausgeblendet werden: Das Zerstören von Lebenschancen unangepasster junger Menschen oder auch nur in einem unangepassten Elternhaus geborener junger Menschen hatte System. Diese Prägungen und Verletzungen wirken bis heute. Die Aufarbeitung ist da noch lange nicht abgeschlossen.

Für diese Aufarbeitung ist die Kunst von René Münch wichtig. Denn so offen wie er uns in seinen Kunstwerken begegnet, so offen können wir diese auf uns wirken lassen. Sie schaffen uns einen Zugang zum Thema ohne Vorurteile, Rechtfertigung oder Verdrängung.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai 2017 im Bürgerzentrum Mitte-West (Leipziger Straße 39, 09113 Chemnitz) zu sehen. Zum Ausstellungsabschluss findet dort am 30. Mai 2017 eine Lesung mit René Münch statt.

 

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