„Pflanzenschutzmittel auf dem Acker. Anwendungspraxis vor Ort“ – Bürgerdialog in Wittgensdorf am 8. Mai 2017

 

Beim Thema Glyphosat scheiden sich die Geister: Studien über die gesundheitlichen und ökologischen Risiken des Pflanzenschutzmittels kommen zu unterschiedlichen, zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen. So wurde das Agrargift von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Demgegenüber bewertete die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) das Pflanzenschutzmittel unlängst als ausreichend sicher bei sachgemäßer Anwendung. Bis Ende 2017 soll entschieden werden, ob Glyphosat in der Europäischen Union weiterhin zugelassen wird. Im Zuge dessen hat sich die Europäische Bürgerinitiative „Stopp Glyphosat“ gebildet, die durch Aktionen und Unterschriftensammlungen für einen Ausstieg wirbt. Die Position von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist ganz klar: Kein Gift auf unseren Äckern und Tellern!

Vor diesem Hintergrund haben sich Chemnitzerinnen und Chemnitzer aus dem Ortsteil Wittgensdorf in Sorge um ihre Gesundheit und mögliche Umweltbelastungen an die Chemnitzer GRÜNEN gewendet. Grund der Besorgnis sind die Glyphosat-Anwendungen des regionalen Landwirtschaftsbetriebs Wirtschaftshofs Sachsenland auf den Feldern, die zum Teil unmittelbar an Gärten und Wohnhäuser grenzen. Volkmar Zschocke, Chemnitzer Landtagsabgeordneter hat sich des Themas angenommen und vor Ort zu einer Bürgerdialog-Veranstaltung eingeladen. Dankenswerterweise hat sich Jens Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftshofs Sachsenland bereit erklärt, sich bei der Veranstaltung am 8. Mai 2017 in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr Wittgensdorf den Fragen und Sorgen der mehr als 60 anwesenden Wittgensdorferinnen und Wittgensdofern zu stellen.

Auf der Grundlage einer im Vorfeld der Veranstaltung gestellten Kleinen Anfrage zum „Glyphosateinsatz im Chemnitzer Ortsteil Wittgensdorf“ an die Sächsische Staatsregierung machte Volkmar Zschocke zunächst deutlich, dass die Anwendungspraxis vor Ort im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften steht. Auch wies er darauf hin, dass eine Grundsatzdiskussion über die Risiken von Glyphosat auf der kommunalen und landespolitischen Ebene nicht zielführend wäre. Die Entscheidungen über die Zulassung und Regeln werden auf Bundes- und europäischer Ebene getroffen. Stattdessen sei es wichtig, über Lösungen für ein gutes Miteinander vor Ort zu suchen.

In einer Einführung informierte Jens Hoffmann vom Wirtschaftshof zunächst gemeinsam mit den zuständigen Mitarbeitern über die Anwendungspraxis und versicherte, diese nach bestem Wissen und Gewissen durchzuführen und alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. In der anschließenden Diskussion nutzten die Gäste die Gelegenheit, ihre Bedenken über den Glyphosateinsatz vor ihrer Haustür zum Ausdruck zu bringen. Auch wurden zahlreiche konstruktive Vorschläge und Kompromissangebote für ein gutes Miteinader im Ort vorgetragen: Dazu zählen Blütenstreifen am Ackerrand als Puffer zu den angrenzenden Häusern, Gärten und Wegen und als Schutzraum für Tiere und größere Abstände bei Pflanzenschutzmittelanwendungen, als gesetzlich mindestens vorgeschrieben sind. Auch wurde angeregt, zumindest eine Testfläche für Ökolandbau zu nutzen und Beikräuter statt Herbizide einzusetzen, um die Möglichkeiten einer landwirtschaftlichen Praxis ohne Pflanzenschutzmittel zu auszuloten. Aufgeschlossen zeigte sich Herr Hoffmann gegenüber der Frage, ob der Wirtschaftshof online oder per SMS über Anwendungstermine informieren kann, um Anliegerinnen und Anlieger die Gelegenheit zu geben, Tiere und Wäsche einzuholen, Fenster zu schließen und Pflanzen abzudecken.

Als Fazit der Veranstaltung ermutigte Volkmar Zschocke, die Veranstaltung als Auftakt für einen Dialog zu verstehen und diesen fortzusetzen. Und angesichts des großen Interesses ist eine Folgeveranstaltung zum Thema Pflanzenschutzmittel geplant.

 

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