Nach Großbrand bei Müll-Firma in Reichenbach − GRÜNE: Noch immer keine Klarheit über die Brandfolgen − Verschiedene toxisch wirkende Stoffe wurden freigesetzt

Zschocke: Der Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Brandereignissen muss über den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber stehen − Antworten der Staatsregierung unzureichend

Dresden/Reichenbach. Fünf Wochen nach dem Großbrand bei der Firma Glitzner Entsorgung in Reichenbach (Vogtland)ist die Analyse der dabei ausgetretenen Giftstoffe immer noch nicht abgeschlossen. Das teilte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) jetzt auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke, abfallpolitischer Sprechers der GRÜNEN-Landtagsfraktion mit. Der Abgeordnete hatte umfangreiche Nachfragen zu den Ursachen des Brandes, zur Ausbreitung der Schadstoffe in Luft, Wasser und am Boden, zum Schutz von Bevölkerung und Umwelt sowie zu Brandverhütung und Versicherung gestellt.

Nach Anhaben des Umweltministeriums lagerten in den brennenden Hallen der Firma Glitzner Entsorgung in Reichenbach 350 Tonnen Abfälle, darunter Textilabfälle, Altholz, Hausmüll und nicht weiter spezifizierter Gewerbeabfall. Der Brand entzündete sich auf einem Förderband. Er konnte sich ausbreiten, weil die von der Versicherung geforderte automatische Feuerlöschanlage nicht vorhanden war. Die Schadstoffwolke hat sich großflächig ausgebreitet. Noch 5 Kilometer von der Brandstelle entfernt, wurden Rußpartikel gefunden. Eigentümer der beprobten Flächen können diese vorerst nicht nutzen. Das Löschwasser war kontaminiert und musste in einer speziellen Anlage behandelt werden.
„Obwohl die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, offenbaren die Antworten der Staatsregierung erneut, wie gefährlich solche Müllbrände sind und das dringend mehr Vorsorge zum Schutz von Bevölkerung, Natur und Umwelt notwendig ist“, zieht Zschocke ein erstes Fazit.
„Eine gründliche Untersuchung des Brandes in Reichenbach ist notwendig. Ich kann aber nicht verstehen, warum die Analyse der Proben so lange dauert. Wenn die Staatsregierung davon ausgeht, dass verschiedene toxisch wirkende Stoffe wie PCB, PAK, Dioxin und Furane freigesetzt wurden, brauchen die Anwohnerinnen und Anwohner endlich Klarheit, welcher Gefahr sie tatsächlich ausgesetzt waren. Die Formulierung des Umweltministers >>in eher geringer Konzentration<< ist da wenig hilfreich. Hier müssen schnellstens die konkreten Werte auf den Tisch, um die Gefährdungen einschätzen zu können. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Brandfolgen verharmlost werden.“

„Schwer nachvollziehbar ist auch, warum erst vier Tage nach dem Brand gewarnt wurde, die Hühner nicht auf Freiflächen zu lassen und Hinweise zur eingeschränkten Nutzung von Gemüse, Kräutern, Eiern und Tierfutter veröffentlicht wurden“, kritisiert der Abgeordnete. „Klarheit muss auch schnell hergestellt werden, wann die betroffenen Flächen wieder genutzt werden können. Denn die Einschränkung der Tierhaltung im Außenbereich verursacht auch wirtschaftliche Einbußen.“

„Eine Lehre aus dem erneuten Großbrand muss sein, dass konsequente Auflagen hinsichtlich Lagerung, Überwachungstechnik und automatischer Feuerlöschanlagen gemacht werden“, fordert Zschocke. „Diese können in die immissionsschutzrechtlichen Genehmigung für derartige Anlagen aufgenommen werden. Das dies möglich ist, zeigen einen Reihe von Anlagen, in der solche Schutzeinrichtungen bereits installiert sind (siehe Drs. 6/14723). Der Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Brandereignissen muss über den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber stehen.“

Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf die Kleine Anfrage ‚Schadstoffausbreitung in Luft, Wasser und am Boden in Folge eines Großbrandes einer Reichenbacher Entsorgungsfirma‘ (Drs 6/14724) 

Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU)  auf die Kleine Anfrage ‚Feuerversicherung und Brandverhütung bei Abfallbehandlungsanlagen‘ (Drs 6/14723)

Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU)  auf die Kleine Anfrage ‚Wiederholte Abfallbrände bei der Firma Glitzner Entsorgung GmbH‘ (Drs 6/14726)

Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU)  auf die Kleine Anfrage ‚Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor Schäden durch Brandstoffe‘ (Drs 6/14725)

Informationen vom Landratsamt Vogtlandkreis, Amt für Umwelt vom 15.09.2018

Seit Jahrzehnten brennt es im Schnitt ein bis zwei Mal pro Monat in einer sächsischen Abfallanlage, 2018 allein bisher 21 mal

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