Modellprojekt ‚Eltern-Kind-Zentren‘: Hören Sie auf mit dem Schaulaufen, fangen Sie an, die drängenden Problemen in den Kitas zu bearbeiten

 

Rede zum Antrag von CDU und SPD „Bericht zum Modellprojekt ‚Eltern-Kind-Zentren'“ (Drs 6/10753) zur 61. Sitzung des Sächsischen Landtags am 28. September, TOP 5.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

Eltern-Kind-Zentren sind eine gute Sache. Das sagen wir uns heute nun schon zum dritten Mal. Die Koalition scheint eine Tradition daraus machen zu wollen. Seit 2015 sorgen Sie – liebe Kollegen und Kolleginnen von CDU und SPD − dafür, dass wir jedes Jahr einmal über ein komplett unstrittiges Thema debattieren und beschließen dürfen.

Sie haben sich im Koalitionsvertrag vereinbart, Eltern-Kind-Zentren in Kitas zu fördern. Und ich verstehe, dass Sie stolz darauf sind, dass sie aus diesem Vertrag auch etwas umsetzen. Das haben Sie mit einem Antrag und einer aktuellen Stunde bereits bekräftigt. Heute beschäftigen wir uns mit einem Berichtsantrag. Ich sage vorweg: Es sollte selbstverständlich sein, dass es nach der Erprobungsphase eines neuen Angebotes auch eine Evaluation gibt. Deshalb heißt es ja Modellprojekt.

Gegen die zu prüfenden Punkte ist auch gar nichts einzuwenden. Natürlich unterstützen wir die Koalition darin, dass „die bisherigen Erfahrungen der 31 Standorte“ dargestellt und „mögliche Handlungsoptionen ab 2019“ aufgezeigt werden. Sie bekennen sich zu dem Projekt und machen Hoffnung auf eine Fortführung. Schön. Einverstanden.

Ich muss aber auf ein Stichwort im Antrag eingehen: Die Überprüfung der Förderbedingungen ist eine zentrale Frage, damit Eltern-Kind-Zentren wirklich weiterentwickelt werden können. Von den 31 Modellstandorten wird nämlich viel erwartet.

  • Die Kitas sollen in den Sozialraum wirken
  • mit den Kommunen zusammenarbeiten
  • sich untereinander austauschen
  • Eltern mit ihren unterschiedlichen Anliegen eine Unterstützung sein

 

Aber zusätzliches Personal in den Kitas gibt es dafür nicht!
Da muss ich Ihnen deutlich sagen: Eine fachliche Begleitung und die Erstattung von Sachkosten werden nicht ausreichen, um auf Dauer diesen vielen zusätzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Denn die ErzieherInnen in den Kitas arbeiten jetzt schon am Limit. Erst letzte Woche hat sich das sächsische Bündnis ‚Die bessere Kita‘ bei Aktionen in mehreren Städten Gehör verschafft. Es waren richtig viele und die waren richtig laut, weil es insgesamt in den Kitas so wie es jetzt ist, nicht mehr weitergehen kann! Da kann die Koalition sich für tolle Modellprojekte und Minimalveränderungen beim Betreuungsschlüssel feiern so oft wie sie will. Beim einzelnen Kind kommt von den bisherigen Veränderungen so gut wie nichts an. Die Erzieherinnen und Erzieher gewinnen Sie damit nicht. Die fühlen sich wie die Deppen der Nation, weil alle ständig über die enorme Bedeutung der frühkindlichen Bildung reden, aber die, die es machen, dabei im Stich gelassen werden.

Ich habe mit vielen gesprochen, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen das Beste für unsere Kinder geben und dabei sehr oft über ihre Belastungsgrenzen gehen. Sie brauchen dringend mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern. Die Kita soll doch eine Bildungseinrichtung sein. Von Eltern-Kind-Zentren, Elternarbeit und Familienbildung mal ganz abgesehen. Gute frühkindliche Bildung braucht dringend mehr Personal – in allen Einrichtungen!

Der Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden hat in seinem Redebeitrag zu diesem Aktionstag noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig ausreichend Vor- und Nachbereitungszeiten bei der frühkindlichen Bildung sind. Diese muss als Teil der pädagogischen Arbeit anerkannt und bei der Personalplanung endlich berücksichtigt werden.

Ich sage es deutlich: Allein mit der wiederholten Präsentation eines guten Modellprojektes werden Sie die Erzieherinnen noch nicht gewinnen. Sorgen Sie für die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um einen Bildungsplan mit jedem einzelnen Kind umzusetzen und nicht nur um Kindergruppen zu beaufsichtigen. Denn dafür haben Erzieherinnen und Erzieher nicht fünf Jahre Ausbildung auf sich genommen!

Wir stimmen dem Antrag zu, sagen aber auch ganz klar: Es bringt uns nicht voran, wenn die Koalition dieses wichtige – aber vergleichsweise kleine − Projekt erneut zum politischen Schaulaufen benutzt. Fangen Sie an, an den wirklich drängenden Problemen in den Kitas arbeiten. Hier geht es um eine ganz entscheidende Zukunftsfrage für unsere Gesellschaft insgesamt!

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