GRÜNER Landtagspolitiker: Zeit für Erprobungen automatisierter Messtechnik auf dem Fichtelberg ist abgelaufen – Staatsregierung ist gut beraten, nicht auf Technikgläubigkeit des Deutschen Wetterdienstes zu vertrauen

 

Zu Beginn des Jahres wandte sich der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Landtag, Volkmar Zschocke, mit einem Fragenkatalog, der die geplante Vollautomatisierung der Wetterwarte auf dem Fichtelberg ab 2019 zum Gegenstand hat, an die Sächsische Staatsregierung.

In seiner Antwort weist das sächsische Umweltministerium jegliche Verantwortung für den Fortbestand der Wetterstation auf Sachsens höchstem Gipfel von sich, da diese eine Einrichtung des Bundes ist. Jedoch gibt es gemeinsame Beratungen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD), die dem Erfahrungsaustausch dienen sowie auch Diskussionen in nationalen Fachgremien zur Neuausrichtung – sprich Vollautomatisierung –  des DWD-Messnetzes. Im Vordergrund dieser Beratungen stünden aber sehr wohl die Verfügbarkeit langer Messreihen für die Klimaanalyse. Danach wird der DWD nicht müde zu betonen, dass mit der Umstellung auf rein automatische Messungen die Qualität der klimatologischen Messreihen erhalten bleibt.

Das Umweltministerium führt weiter aus, dass seinerseits, um auch künftig belastbare Datengrundlagen für die Klimareihen sicherzustellen,  eine Bestandsaufnahme aller Messnetze in Sachsen sowie eine räumliche und zeitliche Datenverfügbarkeit erfolgt ist. Im Ergebnis dieser Analyse stellt die Regierung fest, dass durch eine Zunahme der Informationsdichte der sächsischen Messnetze künftig zusätzliche Analysemöglichkeiten zur Klimaforschung vorhanden sind.

„Allerdings räumt auch die Sächsische Staatsregierung ein, dass für die gesamte Problematik zur genauen Erfassung der Schneehöhen und Schneemengen aktuell noch weiterer Untersuchungsbedarf besteht und da ganz offensichtlich noch keine befriedigenden Lösungen gefunden wurden. Ferner gesteht das Umweltministerium zu, dass nur 10-Jahreszeiträume klimatischer Betrachtungen, die der DWD als ausreichend erachtet, für die Klimaforschung als Referenzperioden nicht geeignet sind.“, so der GRÜNE Landtagsabgeordnete.

„Das alles zeigt uns, dass der ganze Plan des DWD zur Vollautomatisierung nicht durchdacht ist und die bisherige, solide Klimadaten-Erfassung, auf die wir in Zukunft nötiger denn je angewiesen sind,  aufs Spiel gesetzt wird. Die Sächsische Staatsregierung ist daher gut beraten, sich nicht vom DWD beschwichtigen zu lassen und auf dessen Technikgläubigkeit zu vertrauen, eben weil die Wetterwarte auf dem Fichtelberg auch für den Freistaat eine große Bedeutung hat.“

„Gerade die jüngste Frostperiode lässt die automatisierte Messtechnik alt aussehen, selbst beheizte Messgeräte würden dann in kürzester Zeit vereisen und müssten permanent von Hand gewartet werden. Doch wer sollte das dann im kommenden Winter tun? Bisher sind alle Tests auf dem Fichtelberg gescheitert und die Zeit für Erprobungen eigentlich abgelaufen „, gibt der GRÜNE Politiker zu bedenken.

 

Antwort der Staatsregierung auf die Kleine Anfrage „Vollautomatisierung der Wetterwarte Fichtelberg“ (Drs 6/12009)

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