Code of Survival. Die Geschichte vom Ende der Pestizide – Filmvorführung mit Diskussion am 5. April 2018 im Weltecho in Chemnitz

 

Gutes und gesundes Essen ohne Gift, Gentechnik und Tierquälerei – das klingt gut und ist mehr als ein verklärter Wunsch von Menschen aus der urbanen Mittelschicht. Auch Bauern liegt wohl nichts ferner, als die Natur und unsere Nahrung vergiften und Tiere quälen zu wollen. In der Diskussion über Glyphosat führen weder Verharmlosungen eines betont verantwortungsbewussten Einsatzes des Pflanzengifts noch Skandalisierung und Anprangerung konventioneller Landwirte zu einer Lösung. Stattdessen muss sich die Diskussion darum drehen, wie der Einsatz von Pestiziden reduziert werden kann und welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind.

Dass Landwirtschaft auch anders geht, zeigen viele Landwirtschafts- und Gartenprojekte, die engagierte Menschen aus Chemnitz, Sachsen und der ganzen Welt auf die Beine stellen. Von drei solcher nachhaltiger, umsetzbarer und zukunftsweisender landwirtschaftlicher Projekte in Indien, Ägypten und Deutschland berichtet der Film „Code of Survival. Die Geschichte vom Ende der Pestizide“, den wir GRÜNE am Donnerstag, den 5. April 2018 im Weltecho-Kino in Chemnitz gezeigt haben. Im Anschluss an die Dokumentation habe ich mit Jan Liebers, einem Bauer aus der Region Chemnitz sowie mit dem GRÜNEN-Stadtrat Thomas Lehmann, dem Chemnitzer Baubürgermeister Michael Stötzer und dem Publikum darüber diskutiert, was wir in Chemnitz und Sachsen gegen den Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden tun können.

Die Stadt Chemnitz ist Vorreiterin bei dem Thema in Sachsen. Auf Initiativen der GRÜNEN hat der Stadtrat im März 2018 beschlossen, zukünftig Glyphosat und andere chemische Herbizide auf landwirtschaftlichen Pachtflächen, die der Stadt gehören zu untersagen. „Das betrifft ca. 1000 Hektar Land und entspricht rund 5 Prozent der Gesamtfläche der Stadt“, so Michael Stötzer.

Dass eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich ist, schilderte Jan Liebers anhand seiner eigenen Erfahrungen als Bauer. Dabei räumte er ein, dass Landwirte bei der Umstellung Unterstützung und Zeit brauchten: „Der Weg in die konventionelle Landwirtschaft ist schnell, zurück jedoch sehr langsam.“ Entsprechend skeptisch meldete sich auch ein Landwirt aus dem Publikum zu Wort.

Deshalb sei es wichtig, dass die Stadt eine Vorbildfunktion einnimmt, so Michael Stötzer. Bereits seit zwei Jahren verzichtet Chemnitz bei der Bewirtschaftung von Grünflächen auf Pflanzengift. GRÜNEN-Fraktionsvorsitzender Thomas Lehmann, der selbst Landwirt ist und sich seit Jahren für den Glyphosatausstieg stark macht, wies auf die gesundheitlichen Gefahren von Pflanzengift hin, die anhand von Gewässerstudien nachgewiesen sind: „Der Mensch ist wahrlich kein Frosch, aber was für Frösche schädlich ist, kann für Menschen nicht gut sein.“

Inzwischen sind Alternativen zur chemischen Grünflächenpflege in der Stadt erprobt. Auf Nachfrage im Publikum informierte Michael Stötzer, wie das praktisch geschieht, beispielsweise mittels Heißwasser. „Man muss dann auch mit optischen Erscheinungen wie ‚Unkraut‘ in den Fugen und dem erforderlichen Mehraufwand leben“, so der Baubürgermeister.

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